San Antonio – Die Auswertung von Medicare-Daten in den USA zeigt, dass die interstitielle Brachytherapie, die zunehmend beim Mammafrühkarzinom zum Einsatz kommt, möglicherweise zu suboptimalen Ergebnissen führt. Die Zahl der späteren Lokalrezidive ist laut einer auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellten Studie doppelt so hoch wie bei einer konventionellen Radiotherapie. Es kommt auch häufiger zu Infektionen und Strahlenspätschäden.
Die interstitielle Brachytherapie ist eine Variante der akzelerierten Teilbrustbestrahlung (APBI für accelerated partial breast irradiation). Dabei werden nach der Lumpektomie über spezielle dünne Plastikkatheter radioaktive Strahler in die Resektionshöhle eingebracht. Sie werden nach 4 bis 5 Tagen wieder entfernt.
Dies bedeutet eine deutliche Verkürzung gegenüber der konventionellen Strahlentherapie, die sich über 6 bis 8 Wochen erstreckt. Die interstitielle Brachytherapie ist deshalb bei Patientinnen und Ärzten gleichermaßen beliebt. In den USA ist der Anteil bei den Medicare-Begünstigten (Rentner im Alter über 65 Jahren) von einem Prozent im Jahr 2000 auf 13 Prozent im Jahr 2007 gestiegen, wie Benjamin Smith vom M. D. Anderson Cancer Center der Universität von Texas in Houston berichtet.
Die wissenschaftliche Evidenz der interstitiellen Brachytherapie ist nach Einschätzung des Strahlentherapeuten jedoch begrenzt. In früheren Studien sei zwar nur eine geringe Rate von Behandlungskomplikationen oder Rezidiven beobachtet worden, doch ein direkter Vergleich mit der konventionellen Strahlentherapie sei niemals durchgeführt worden. Smith stellte jetzt die Ergebnisse einer retrospektiven Analyse von 130.535 Medicare-Begünstigten vor, die in den Jahren 2000 bis 2007 behandelt wurden.
Die Ergebnisse ziehen die günstigen Erfahrungen, wie sie auch von deutschen Zentren berichtet werden, in Zweifel. Laut Smith wurde in den ersten 5 Jahren nach der interstitiellen Brachytherapie bei 4 Prozent der Frauen eine Mastektomie durchgeführt.
Der Grund ist laut Smith in der Regel ein Lokalrezidiv, das offenbar doppelt so häufig auftritt wie nach einer konventionellen Strahlentherapie. Dort lag die 5-Jahresrate für Mastektomien nur bei 2,2 Prozent.
Die Brachytherapie war außerdem mit einer erhöhten Rate von infektiösen Komplikationen (16 vs. 10 Prozent) sowie nicht-infektiösen Komplikationen (16 vs. 8 Prozent) assoziiert. Auch die Rate von Strahlenspätschäden wie Fettnekrose (9 vs. 4 Prozent) war erhöht. Ebenso mussten die Patientinnen häufiger wegen Brustschmerzen (15 vs. 12 Prozent) behandelt werden.
Smith ist sich bewusst, dass jede retrospektive Studie Einschränkungen aufweist. Wie bei allen Datenbankanalysen kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ärzte die Therapie bevorzugt bei Frauen mit höheren Ausgangsrisiken eingesetzt haben.
Die Studie zeigt aber (erneut), dass die Einführung neuer Therapien ohne aussagekräftige randomisierte klinische Studie ein Wagnis ist. Während Medikamente heute nicht ohne Nachweis dieser Evidenz eingeführt werden dürfen, sind die Zulassungshürden bei anderen Therapien geringer.
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