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Marathon und Triathlon schädigen rechten Herzventrikel

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Melbourne – Eine extreme Ausdauerbelastung des Körpers, wie sie bei Sportarten wie Marathon und Triathlon auftritt, kann eine vorüber­gehende Pumpschwäche des rechten Herzventrikels aus­lösen.

Nach einer Publikation im Euro­pean Heart Journal (2011: doi: 10.1093/eurheartj/ehr397) erholt sich die Herzfunktion bei den meisten Patienten inner­halb einer Woche. Bei einigen Extremsportlern wurden aller­dings Hinweise auf eine dauer­hafte Herzmuskel­schädigung gefunden.

Die Gruppe um André La Gerche von der Universität Melbourne hat für ihre Untersuchung 40 Leistungssportler ausgesucht. Alle hatten bereits an mehreren Wettbewerben teilgenommen und dort einen der vorderen Plätze (ersten 25 Prozent) belegt.

Sie wurden jetzt in der Vorbereitungsphase auf den nächsten Wettbewerb, für den sie mindestens 10 Stunden die Woche trainierten, sowie unmittelbar nach dem Rennen und eine Woche später kardiologisch untersucht.

La Gerche fand heraus, dass die Extrembelastung vor allem die rechte Herzkammer strapaziert: Die Echokardiografie zeigte nach dem Rennen Zeichen einer Rechtsherzbelastung. Das Volumen des rechten Ventrikels war vergrößert, die Auswurfleistung vermindert. Die Blutwerte des natriuretischen Peptid Typ B (BNP), das von den Ventrikeln bei einer Überdehnung gebildet wird, waren erhöht.

Die meisten Teilnehmer erholten sich innerhalb einer Woche von den Strapazen. Bei fünf Teilnehmern konnte La Gerche in einer Kernspintomographie jedoch eine verspätete, aber erhöhte Anreicherung des Kontrastmittels Gadolinum nachweisen.

Dieses „late gadolinium enhancement“ ist ein Zeichen für eine Fibrose, einer permanenten Schädigung, bei der die Herzmuskelzellen durch Bindegewebe ersetzt werden. Dieser Umbau wurde vor allem bei Sportlern gesehen, die bereits an vielen Rennen teilgenommen hatten und deren kumulative Belastung am höchsten war.

Die klinische Bedeutung dieses Befundes ist unklar. La Gerche vergleicht die rechtsventrikulären Veränderungen mit dem Tennisellenbogen, aus dem auch nicht geschlossen werden könnte, dass Tennisspielen ungesund ist.

Andererseits bestätigen die Befunde die Ergebnisse tierexperimenteller Studien, in denen sich der rechte Ventrikel als die „Achilles-Ferse“ der Herzfunktion bei Ausdauerbelastungen erwiesen hatte. Dort wurde ebenfalls eine Fibrosierung des Herzmuskels beobachtet. Sie kann schnell zur Gefahr werden, wenn sie das Reizleitungssystem betrifft und Herzrhythmusstörungen auslöst.

Der Editorialist Sanjay Sharma von der St. George's University London (UK), der den London Marathon betreut, hält die Studienergebnisse für plausibel. Der Körper sei nun einmal nicht für Ausdauerleistungen von bis zu 11 Stunden am Tag ausgelegt, und bei einigen Menschen könne dies nach Einschätzungen des Mediziners zu dauerhaften Schäden führen.

Sharma plädiert für weitere Untersuchungen – auch vor dem Hintergrund der steigenden Popularität von Extremsportarten wie Marathon. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine offensichtliche Gesundheitsgefahr erst spät erkannt wurde. © rme/aerzteblatt.de

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