Eingeloggt als

Suchen in

6.844 News Medizin

Medizin

Forscher: Industrie verharmloste Zusatzstoffe in Zigaretten

Mittwoch, 21. Dezember 2011

San Francisco – Die Tabak­industrie hat die unvermeid­liche Regulierung von Aroma- und Zusatzstoffen durch die US-Arzneibehörde FDA vorher­gesehen. Der Hersteller Philipp Morris hat rechtzeitig klinische Prüfungen durchführen lassen, bei deren Publikation die Risiken laut einer Studie in PLoS Medicine (2011; 8: e1001145) jedoch bewusst verharmlost worden seien.

Heutige Zigaretten enthalten neben dem Tabak noch eine Reihe von Zusatzstoffen, mit denen sich der Geschmack und die Abgabe von der Nikotin steuern lassen. Beides hat vermutlich Auswirkungen auf die Initiation und das spätere Suchtverhalten der Raucher. Der Hersteller musste durch die bevorstehende Regulierung der Zusatzstoffe deshalb wirtschaftliche Nachteile befürchten.

Philip Morris hat hierauf frühzeitig reagiert, wie das Team um Stanton Glantz vom Center for Tobacco Control Research and Education an der Universität von Kalifornien in San Francisco recherchiert hat, zu dem auch Thomas Kyriss von der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen gehört.

Das Team hat interne Unterlagen des Herstellers ausgewertet, die in den USA im Rahmen von Schadenersatzklagen öffentlich gemacht wurden. Die Legacy Tobacco Documents Library an der Universität von San Francisco hat 11 Millionen Dokumente im Internet veröffentlicht. Mit einer speziellen Suchstrategie gelang es den Mitarbeitern von Glantz einige Dokumente zu finden, die auf das Projekt MIX verwiesen. Es hatte die Auswirkungen von 333 Inhaltsstoffen untersucht.

Die Ergebnisse wurden im Januar 2002 in einem „befreundeten“ Journal veröffentlicht. Der Projektleiter von Philip Morris beschrieb die Publikation die Zusammenarbeit als innere Angelegenheit („inside job“). Man habe sich bewusst an ein Journal gewendet, dessen Herausgeber man kenne.

Glantz unterstellt dem Konzern, dass damit mehr oder weniger bewusst eine strenge Prüfung der Publikation vermieden wurde. Und tatsächlich weisen die Studien in Food and Chemical Toxicology aus Sicht der Tabakkritiker Qualitätsmängel auf.

Sie betreffen die Bezugsgröße der Schadstoffkonzentration. Die Konzentration wurde nicht, wie man erwarten sollte, pro Zigarette angegeben, sondern auf die Menge des Rohkondensats bezogen. Durch diesen Kunstgriff entsteht in der Publikation der Eindruck, dass die Zusatzstoffe den Schadstoffgehalt der Zigarette nicht erhöhen.

Glantz hat die Daten neu berechnet und herausgefunden, dass die Konzentration von 15 Karzinogenen um bis zu 20 Prozent ansteigt, wenn die Bezugsgröße die gerauchte Zigarette ist und nicht das Rohkondensat. Interne Dokumente zeigen laut Glantz, dass diese veränderte Bezugsgröße „post-hoc“ eingeführt wurde, nachdem die ersten Untersuchungen der Firma einen erhöhten Schadstoffgehalt angezeigt hätten.

Philip Morris hat gegenüber den Medien die Vorwürfe zurückgewiesen und den Autoren unsaubere Recherchen vorgeworfen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die FDA auf die Studie reagiert. Wenn sie die Untersuchung von Glantz für valide hält, könnte dies zu einer Neubewertung der Zusatzstoffe und möglicherweise zu einem Verbot führen.

Betroffen wäre unter anderem auch Menthol. Müssen die Hersteller die Zusatzstoffe entfernen, könnte dies die Attraktivität der Zigaretten und damit der Umsatz der Hersteller schmälern. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.844 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste