Politik

Bahr gegen Pflicht-Abitur bei Gesundheitsberufen

Freitag, 23. Dezember 2011

Saarbrücken – Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat den Plänen der EU-Kommission, für Gesundheitsberufe das Abitur vorzuschreiben, eine klare Absage erteilt. „Das ist das falsche Signal. Ich habe mich in Brüssel persönlich gegen diese Pläne gewehrt und werde das weiter tun“, sagte Bahr der Saarbrücker Zeitung vom Freitag. 

„Wir müssen auch Haupt- und Realschülern die Möglichkeit geben, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Häufig kommt es viel mehr auf die soziale Kompetenz an, statt auf die verbrachte Zeit in der Schule“, erläuterte Bahr.

Für besondere Aufgaben brauche es zusätzliche Qualifikationen. „Aber wenn man den Zugang zu Gesundheits- und Pflegeberufen von vornherein erschwert, wird es noch schwieriger, den ohnehin schon drohenden Fachkräftemangel auszugleichen“. Das lehne er ab. Deutsche Pflegefachkräfte brauchten in Bezug auf ihre Qualifikation europaweit keinen Vergleich zu scheuen. © dapd/aerzteblatt.de

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mediko
am Freitag, 6. Januar 2012, 01:56

"Pflicht-Abitur": kontraproduktiv

Vor dem Hintergrund des jetzt schon beklagten "Pflegenotstandes" und des zukünftig zweifellos steigenden Bedarfs an Krankenpflegekräften ist die Erschwerung des Zugangs zu den Pflegeberufen tendenziell klar kontraproduktiv. Das ist ohne Weiteres einleuchtend. Wer hier auch noch eine Ausgestaltung als Bachelor-Studiengang in die Diskussion bringt, weiß nichts vom Pflegealltag. Keine Station braucht ein Dutzend studierte Pflegedienstleitungen. Irgendwer muss auch die Arbeit machen ...
Loewenherz
am Mittwoch, 4. Januar 2012, 00:18

re: Pflichtabi in Gesundheitsberufen

Mir nachvollziehbar, dass Bahr an dieser Stelle blockiert. Seine Argumentation halte ich aber für schlichtweg gelogen.
Sollte die Pflege als Lehrberuf mit Abiturpflicht, oder sogar Bachelor-Studiengang/FH neu gestaltet werden, müsste man die Krankenpfleger deutlich besser bezahlen um den Job attraktiv zu machen. Das macht den Kostendruck auf die Arbeitgeber im System schon primär teuerer. Sekundär kommt es zu einer weiteren Steigerung, da recht schnell die Ärzteschaft feststellen würde: "Mensch, nach 3 Jahren Dualem Studiengang verdient die Pflege fast so viel wie wir Ärzte nach 7!", und entsprechend ihre Forderungen auch erhöht würden.
Oder anders gesagt: "Liebe Leute, tolle Idee, wäre eine wirklich fantastische Sache, aber das können wir uns finanziell nicht leisten"... wäre eine Antwort gewesen, mdie ich hätte respektieren können.
Aber sind wir ehrlich: Es ist schon verdammt lang her, dass ich eines (CDU, FDP, CSU, SPD, Grünen) Politikers Antwort hätte respektieren können...

herzliche Grüße
-M.Schmid/Arzt
winterlauf
am Dienstag, 3. Januar 2012, 21:46

Abitur oder Soziale Kompetenz

das sich Herr Bahr persönlich gegen die Pläne, das Bildungsnieveau in den Plfegeberufen zu heben gewehrt hat, zeigt dass individuelle (persönliche) Meinungen mitunter von der Realität abweichen. Als Lehrer und Dozent für Pflegeberufe erlebe ich leider unablässig den Zusammenhang von Bildungsniveau und sozialer Kompetenz. Wer grade so seinen Realschulabschluss geschafft hat, ist in der Regel (die von Ausnahmen bestätigt werden) weit weniger in der Lage, Konfliktsituationen oder Kommunikationsbarrieren oder Stresssituationen etc. auszubalancieren. Auch das theoretische Rüstzeuig dafür kann er sich nicht gut aneignen. Das sind aber die Realsituationen in der Pflege. Da hilft die einfache Formel "sei lieb und mitfühlend" gar nicht. Denn wer das ist und das schwierige Umfeld nicht beherrrscht, geht ganz schnell wieder oder wird zum Tyrannen.
brennnessel
am Mittwoch, 28. Dezember 2011, 19:18

Abitur oder Soziale Kompetenz

Abitur ist kein Garant für Bildung, dies wird leider oftmals übersehen. Bildung hat etwas mit Herzensbildung zu tun und das lernt kein Mensch in der Schule.

Ein positiver Ansatz ist, dass offenkundig wird wie nun sogar in der obersten Entscheidungsebene endlich mal das heiße Eisen der fehlenden sozialen Kompetenz in dieser Berufsgruppe thematisiert wird.

Das sollte allen Vorbild sein und dazu anregen hier in der Praxis den Finger öfters in die Wunde zu legen... Es macht sich nämlich jeder mitschuldig, wenn er sich nicht traut dann etwas zu sagen.

Etwa, wenn jemand Mitwisser ist oder etwa Augenzeuge wird von üblichen Verstößen im Umgang mit Pflegebedürftigen.

Sei es in puncto Hygiene. Etwa wenn Senioren die Augen mit einem Waschlappen ausgewischt werden und die auftretende bzw. anhaltende Konjunktivitis einfach ignoriert wird. Sprich: Auch keine Vorführung beim Augenarzt erfolgt.

Oder, sei es in puncto Würde im Rahmen des Artikels 6 Grundgesetz. Etwa wenn einer Seniorin der Umgang mit Familienangehörigen nach ihrem Wunsch verweigert wird. Lediglich zu bestimmten Uhrzeiten wird dies erlaubt, von 15 bis 20 Uhr. Das Personal des zuständigen Pflegedienstes in der privaten Wohngruppe behauptete delegatorisch für den Umgang zuständig zu sein. De facto ist dieses Geschäftsgebahren von Betreuer und Pflegedienst rechtswidrig. Es gilt für diese, dass in jedem Einzelfall geprüft werden muss, was der Wille des Seniors ist. Selbst dann, wenn der Mieter der WG bzw. Bewohner im Heim schon einmal den persönlichen Kontakt zu dem Besucher abgelehnt hatte.
DÄ-News
am Mittwoch, 28. Dezember 2011, 09:50

Bahr gegen Pflicht- Abitur bei Gesundheitsberufen

Sehr geehrter Herr Bahr,

Die Einführung eines Pflichtabiturs wäre (aber) endlich ein positiver Beitrag und Anreiz zur Bildungs- Förderung. Damit könnte längerfristig auch eine wünschenswerte höhere gesellschaftliche Chancengleichheit entstehen

mit freundlichen Grüßen
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