EHEC-Epidemie 2011: Patienten geht es besser als befürchtet
Donnerstag, 29. Dezember 2011
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| Elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC (Foto: Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung) |
Hamburg – Im Sommer 2011 sorgte die EHEC-Epidemie bundesweit für Besorgnis. Fast 4.000 Menschen infizierten sich von Mai bis Juli mit dem Darmbakterium des aggressiven Typs O104:H4. Rund 850 davon entwickelten das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS).
Inzwischen haben sich fast alle Patienten deutlich schneller und besser erholt, als von Experten in der Krise befürchtet. „Bemerkenswert ist, dass auch die, die schwer krank waren, sich sehr gut erholt haben“, sagte Christian Gerloff, Ärztlicher Leiter des Kopf- und Neurozentrums am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).
„Wir hatten ja mal gedacht, da würde im Anschluss eine Lawine von Patienten auf uns zukommen, die eine Nierentransplantation brauchen oder bleibende neurologische Schäden davon getragen haben – aber das sieht erfreulicherweise momentan nicht so aus“, bilanziert der Neurologe, der am UKE zahlreiche EHEC-Patienten behandelt hat.
Bereits eine Analyse nach acht Wochen habe gezeigt, dass sich der Zustand von 95 Prozent der Patienten signifikant gebessert hatte. Das betraf sowohl die Nierenfunktion als auch die neurologischen Probleme. Mehr als zwei Drittel der Erkrankten nahmen zu diesem Zeitpunkt schon wieder am normalen Alltag teil.
In einem vom
Bundesgesundheitsministerium mit 1,23 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekt soll in den nächsten zwei Jahren untersucht werden, wie gut sich die Patienten langfristig erholen, wie sich etwa das Konzentrationsvermögen, die allgemeine Belastbarkeit und die Müdigkeit am Tage entwickeln. Erforscht werden soll Gerloff zufolge ferner, wie infektiös der Keim ist, etwa, wie lange er ausgeschieden wird.
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Am UKE mussten zeitweilig fast 90 Schwerkranke parallel betreut werden. „Man kann sich auf das Unbekannte schlecht vorbereiten, aber man kann verstehen lernen, wie Keime funktionieren oder auch welche Intensivkapazitäten man für Notfälle vorhalten muss“, beschreibt Gerloff die Erfahrungen aus der EHEC-Epidemie.
Der Verlauf der Epidemie und der Einsatz des ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelten Antikörpers Eculizumab gegen den EHEC-Keim O104:H4 sei ein Beleg dafür, wie wichtig die permanente Forschung in 'Friedenszeiten' sei: „Nur wenn man versteht, wie eine Krankheit abläuft und wie andererseits bestimmte Medikamente wirken, kann man einen solchen Brückenschlag machen.“
Noch während der Epidemie hatte demnach eine erste Studie gezeigt, dass die Sterblichkeit unter der Gabe des Antikörpers deutlich geringer war. Eine Placebo-Gruppe gab es allerdings nicht.
Die EHEC-Krise habe zudem gezeigt, wie wichtig ein optimiertes Meldewesen wäre, das Infektionen schnell digital erfasst. „Die Infektionsquellen verschwinden rasch von der Bildfläche und sind in einer globalisierten Welt nur schwer auszumachen“, sagt Gerloff. Dies gelinge noch am ehesten, je schneller man vom Ausbruch einer Epidemie erfahre. Ob und wann mit einem erneuten EHEC-Ausbruch gerechnet werden müsse, lasse sich nicht vorhersagen.
© dapd/aerzteblatt.de
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