PIP-Chef will mit neuer Firma Brustimplantate produzieren
Freitag, 30. Dezember 2011
dapd
Marseille – Der Gründer der umstrittenen Brustimplantate-Firma PIP, Jean-Claude Mas, will einem Pressebericht zufolge unter dem Dach eines neuen Unternehmens weiter Billigimplantate herstellen. Mas sei „Berater“ einer Implantate-Firma, die seine Kinder im Juni gründeten, berichtete die Zeitung Nice Matin am Freitag. In Italien wurden Ermittlungen gegen Mas eingeleitet, der seine Silikoneinlagen auch dort verkaufte.
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Laut dem Handelsregister von Toulon soll das neue Unternehmen France Implant Technologie (FIT) chirurgisches und zahntechnisches Material herstellen. Dem Geschäftsplan zufolge, den Nice-Matin veröffentlichte, will FIT aber Brustimplantate produzieren und greift dabei „dank seiner Mitarbeiter“ auf eine 30-jährige Erfahrung zurück. Neben Mas sollen zwei weitere PIP-Führungskräfte in dem neuen Unternehmen arbeiten.
Ziel sei es, die Produkte ab dem nächsten Sommer auf dem europäischen, südamerikanischen und chinesischen Markt zu verkaufen. Verkaufsländer in Europa sollen demnach Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und die Schweiz sein. Von einem Verkauf in Frankreich ist laut Nice-Matin nicht die Rede.
Die 2010 aufgelöste Firma PIP hatte weltweit hunderttausende mit einem Billig-Silikon gefüllte Brustimplantate verkauft. Das hausgemachte Gel wird für Entzündungen und sogar Krebsfälle verantwortlich gemacht. In einem bisher einzigartigen Aufruf empfahlen die französischen Behörden rund 30.000 Frauen in Frankreich, sich die PIP-Silikonkissen vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen, auch wenn es keinen Beweis für ein Krebsrisiko gebe.
Auch Frauen in Deutschland tragen die Brusteinlagen, genaue Zahlen sind allerdings nicht bekannt. Die deutschen Behörden empfehlen auch nicht pauschal, sich die Implantate entfernen zu lassen.
In Italien, wo die Zahl der betroffenen Frauen auf 5.000 geschätzt wird, leitete die Staatsanwaltschaft Turin am Freitag Ermittlungen gegen Mas ein. Dem 72-Jährigen werden Betrug und Verkauf eines gesundheitsschädlichen Produktes vorgeworfen.
Die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa verbot den Einsatz der PIP-Implantate. Rund 10.000 der Silikonkissen, die bisher nicht verkauft wurden, sollen nun eingezogen werden. Gut 24.000 kamen in den Handel, die Behörden empfehlen den betroffenen Frauen nun eine ärztliche Untersuchung.
In Frankreich könnte eine Strafanzeige der staatlichen Krankenversicherung Cnam den Weg für eine millionenschwere Entschädigung für die OPs freimachen, in denen die gesundheitsschädlichen Einlagen nun herausgenommen werden.
Cnam erstattete am Donnerstag Anzeige gegen Unbekannt wegen „schwerer Irreführung und Betrugs“ der Sozialkasse. Die Kosten, die für die Sozialversicherung durch eine Operation der betroffenen Frauen entstehen, werden auf rund sechzig Millionen Euro geschätzt.
Die Zahl der Krebspatientinnen unter den Frauen, die Brustprothesen der umstrittenen Firma PIP tragen, hat sich in Frankreich auf 20 erhöht, teilte unterdessen die Arzeimittelkontrollbehörde Afssaps am Freitag mit.
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