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Bundesinstitut und Ärzte raten zu Entfernung von PIP-Brustimplantaten

Freitag, 6. Januar 2012

Berlin – Im Skandal um defekte Brustimplantate der französischen Firma PIP haben nun auch medizinische Fachgesellschaften in Deutschland den Frauen geraten, die Silikonkissen vorsorglich entfernen zu lassen. In einer gemeinsamen Erklärung schlossen sich am Freitag Gynäkologen, Plastische und Ästhetische Chirurgen einer entsprechenden Empfehlung der französischen Behörden an. 
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Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) riet am Freitag, die  Silikonkissen vorsichtshalber entfernen zu lassen. In den vergangenen Tagen seien zunehmend Mitteilungen von Ärzten, Fachgesellschaften und Kliniken eingegangen, wonach auch bei Implantaten ohne Risse das Silikon austreten könne, teilte das Bundesinstitut.

Sein Institut empfehle, „dass die betroffenen Implantate als Vorsichtsmaßnahme entfernt werden sollten”, erklärte BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger. Wie dringend die operative Entfernung sei, hänge „wesentlich davon ab, wie lange die Patientin das Implantat bereits trägt”.

Die französische Expertenkommission habe klargestellt, „dass Frauen, die keine vorsorgliche Entfernung durchführen lassen, zukünftig mit einer Riss-Gefahr, der Gefahr einer falschen Sicherheit beim Bildgebungsverfahren sowie mit dem Risiko eines komplizierten erneuten Eingriffs leben müssen“, hieß es in der Erklärung der Ärzteverbände. Zudem bestehe das Risiko, dass das in den Implantaten verwendete minderwertiges Gel giftig sein könnte.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Nach Angaben des Berufsverbandes der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen gibt es auch Hinweise darauf, dass die Billig-Implantate verstärkt „ausschwitzen“ und damit Silikon durch die Hülle hindurch in den Körper abgegeben. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre „die Indikation zur Entfernung noch stärker gegeben“, erklärte DGPRÄC-Präsident Peter M. Vogt.

Patientinnen riet Vogt, sie sollten in Absprache mit ihrem Chirurgen und „bei vertretbarem Risiko“ abwarten, bis mehr Erfahrungen aus Implantatentfernungen vorliegen und die Frage der Kostenübernahme klarer sei.

PIP hatte weltweit hunderttausende Brustimplantate verkauft; danach war es vermehrt zu Rissen in den Einlagen und in der Folge zu Entzündungen bei den betroffenen Frauen gekommen. Die französischen Behörden empfahlen vor Weihnachten rund 30.000 Trägerinnen von PIP-Prothesen in Frankreich, sich die Kissen herausnehmen zu lassen.

Die französische Kontrollbehörde für Medizinprodukte, Afssaps, zählte bisher 20 Krebsfälle unter Frauen mit den von PIP produzierten Einlagen. Ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung und den Silikonkissen ist aber nicht erwiesen.

Auch Frauen in Deutschland tragen die Einlagen, offizielle Zahlen liegen nicht vor. Allerdings zählte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn bereits 25 Fälle von Frauen, bei denen die Prothesen rissen.

Der Gründer der umstrittenen Brustimplantate-Firma, Jean-Claude Mas, gab zun, den TÜV Rheinland bei der Kontrolle seiner Prothesen jahrelang getäuscht zu haben. Das geht aus dem Protokoll seines Polizeiverhörs im Oktober hervor. © afp/aerzteblatt.de

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