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Wachkoma-Patienten oft kontaktfähiger als vermutet

Montag, 9. Januar 2012

Darmstadt/Freiburg – Ärzte schätzen die Reaktionsfähigkeit von Wachkoma-Patienten häufig falsch ein. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). Die korrekte Diagnose des genauen Bewusstseinszustands ist laut der Fachgesellschaft eine klinische Herausforderung. Die Rate der Fehldiagnosen liege bei rund 40 Prozent, wenn Ärzte ohne spezielle Bewusstseinsskalen versuchten, die Patienten einzuschätzen.

Jeder fünfte Wachkoma-Patient zeigt laut DGKN außerdem in speziellen EEG-Verfahren Hinweise für bewusste Reaktionen, die Standardverfahren nicht erkennen. „Neueste Erkenntnisse zeigen, dass wir unser Verständnis vom Wachkoma grundlegend verändern müssen“, erklärte Andreas Bender, Leiter des Therapiezentrums Burgau und Spezialist für Hirnschäden.

Aktuelle Studien deuteten darauf hin, dass elektrophysiologische und bildgebende Verfahren wie EEG und fMRT zusätzliche Reaktionen bei Wachkoma-Patienten messen, die Verhaltens­beobachtungen von außen nicht erkennen lassen. So weisen rund 17 Prozent der Wachkoma-Patienten typische Aktivierungsmuster vergleichbar mit denen gesunder Probanden im fMRT auf.
„Teilweise war sogar eine einfache Kommunikation mit Hilfe des fMRT-Signals möglich“, so der Experte der DGKN. Dabei konnte ein Patient während der fMRT-Untersuchung richtige Ja- oder Nein-Antworten auf autobiografische Fragen geben. Bildgebende Verfahren hätten daher in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel bei der Beurteilung von Wachkoma-Patienten ausgelöst.

Da die fMRT allerdings sehr aufwendig, teuer und störanfällig sei, biete sich das EEG als alltagstauglichere Untersuchungsmethode zur Prüfung der Hirnfunktion der Betroffenen an. „Auch mit dieser Methode konnten eindrucksvolle Erkenntnisse gewonnen werden: Bei verbalen Aufforderungen und Tonsignalen werden bestimmte Hirnregionen aktiv, und es kommt zu einer Veränderung des EEG-Frequenzspektrums“, so Bender.

Die DGKN fordert daher, funktionelle Bildgebungsverfahren sowie spezielle elektrophysiologische Verfahren bei der Beurteilung von Wachkoma-Patienten häufiger einzusetzen. © hil/aerzteblatt.de

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