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Nikotinpflaster mildert Alzheimervorstufe MCI

Dienstag, 10. Januar 2012

Nashville – Nikotinpflaster verhalfen Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) in einer randomisierten Doppelblindstudie in Neurology (2012; 78: 91-101) zu besseren Ergebnissen in kognitiven Tests. Ein Einfluss auf den Allgemeinzustand der Patienten war jedoch nach sechs Monaten nicht zu erkennen.

Durch die Stimulation von Acetylcholin­rezeptoren im Gehirn kann Nikotin vorübergehend Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistungen verbessern. Für viele Raucher ist dies ein Motiv (oder ein Vorwand), trotz der gesundheitsschädlichen Wirkungen das Rauchen nicht aufzugeben. Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) – ein mögliches Frühstadium der Demenz, das aber nicht immer zum Morbus Alzheimer fortschreitet – könnte Nikotin helfen, die kognitiven Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten.

Der Ansatz für die kleine Pilotstudie, die Paul Newhouse und Mitarbeitern des Vanderbilt University Medical Center durchgeführt haben, ist deshalb durchaus plausibel. Und die transdermalen therapeutischen Systeme (TTS), zu deutsch Nikotinpflaster, die zum Tabakentzug eingesetzt werden, sind frei von Schadstoffen, die für Krebserkrankungen verantwortlich sind.

An der Studie beteiligten sich 74 Nichtraucher, bei denen eine MCI diagnostiziert worden war. Diese verwendeten über einen Zeitraum von 6 Monaten TTS, die allerdings nur bei jedem zweiten Patienten Nikotin enthielten. Am Ende erzielten die Probanden mit den Nikotinpflastern in mehreren kognitiven Tests bessere Ergebnisse als die Anwender der Placebo-TTS.
 

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Laut Newhouse gewannen die mit Nikotin behandelten Patienten 46 Prozent der für das Alter normalen Leistungen im Langzeitgedächtnis zurück, während es in der Kontrollgruppe zu einer Verschlechterung um 26 Prozent kam. Dieses Ergebnis sollte allerdings nicht überbewertet werden, denn in der globalen Bewertung der Patienten konnten die Untersucher keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen entdecken.

Auch für Newhouse kann die Studie keine Beweiskraft beanspruchen, und eine Indikation für die Verordnung von Nikotinpflastern für Patienten mit MCI gebe es derzeit nicht, so der Autor. Zu beachten ist, dass die Pflaster bei vielen der nicht an Nikotin gewöhnten Personen zu Übelkeit und Schwindelgefühlen führten (wie nach dem Rauchen der ersten Zigarette).

Bei Rauchern dürften Nikotineffekte, die bereits durch die inhalative Applikation bewirkt werden, kaum gesteigert werden. Ob die Ergebnisse geeignet sind, ältere Raucher zu einem Abstinenzversuch zu motivieren, darf wohl bezweifelt werden. Zu erwähnen wäre noch, dass die Forscher in der Publikationen Interessenkonflikte mit den Herstellern von Nikotin-TTS angeben.

© rme/aerzteblatt.de

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