Medizin

ePrognosis: Was bringen Prognose-Tools im Internet?

Mittwoch, 11. Januar 2012

San Francisco – US-Forscher haben eine Reihe von Prognose-Indizes ins Netz gestellt, mit denen die Überlebenswahrscheinlichkeiten älterer Menschen beurteilt werden können. Aus der Übersicht im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 182-192) geht allerdings hervor, dass die meisten „Tools“ nicht validiert sind. Auch ein Editorialist bleibt skeptisch.

Bei einem Menschen, der nur noch ein halbes Jahr zu leben hat, macht die Verordnung von Statinen oder eine strenge Einstellung des Blutzuckers keinen Sinn mehr. Der Patient gehört im Fall einer Erkrankung auch nicht ins Krankenhaus, sondern in ein Hospiz. Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob einer 70-Jährigen noch zu einer Darmkrebsvorsorge geraten werden sollte. Die Antwort hängt auch hier von der zu Lebenserwartung ab.

Viele unnötigen Untersuchungen und sinnlosen Behandlung könnten vermieden werden, wenn die Ärzte die Lebensprognose ihrer Patienten beachten würden, schreibt die Gruppe um Lindsey Yourman von der Universität von Kalifornien in San Francisco. Doch die Vorhersage der noch verbleibenden Lebensspanne ist nicht einfach.

Die Forscher haben Medline und andere Datenbanken nach möglichen Indizes durchsucht: 16 der ihrer Ansicht nach besten „Tools“ haben sie jetzt im Internet publiziert. Jeder, der sich durch Anklicken als „Healthcare Professional“ ausgibt (ohne Überprüfung), kann die Fragebögen für sich oder Angehörige ausfüllen. Als Antwort erhält er eine Angabe zur Mortalität. In der Regel ist es die prozentuale Wahrscheinlichkeit, einen bestimmten Zeitraum zu überleben.

Die Qualität der Prognose-Indizes ist fraglich. Nur 2 Prognose-Indizes werden von den Autoren als exzellent eingestuft, bei 13 vergeben sie die Note „gut“. Die meisten Indizes sind allerdings niemals einer unabhängigen Prüfung unterzogen worden. Die Evidenz der Tools ist nicht sicher. Für Yourman ist jedoch ein fraglicher Prognose-Index besser als gar keiner.

Nach Ansicht des Editorialisten Thomas Gill von der Yale School of Medicine in New Haven wären die Prognose-Indizes verständlicher, wenn sie statt der Mortalität die durchschnittliche Lebenserwartung errechnen würden, möglichst mit Angaben mehrerer Perzentilen, da sich der Todeszeitpunkt niemals exakt vorhersagen lässt (JAMA 2012; 307: 199-200).

Der Geriater vermisst wesentliche Faktoren wie die soziale Unterstützung oder die Ergebnisse von Gentests, die die Lebensspanne beeinflussen. Auch einige häufige und wichtige Komorbiditäten wie Morbus Parkinson würden nicht beachtet. Auch für den Geriater Gill wären Prognose-Indizes eine sinnvolles Instrument. Ihr klinischer Nutzen müsste jedoch erste in klinischen Studien geprüft werden, fordert er. © rme/aerzteblatt.de

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