Politik

Zahl der Organspenden 2011 wieder gesunken

Donnerstag, 12. Januar 2012

Bonn – Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist trotz einer breiten öffentlichen Debatte im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) berichtet, gab es im Jahr 2011 genau 1.200 Spender. Das waren 7,4 Prozent oder 96 weniger als 2010. Die Zahl der gespendeten Organe sank von 4.205 auf 3.917. Konnte 2010 noch 4.326 Menschen in den bundesweit rund 50 Transplantationszentren mit einer Transplantation geholfen werden, so waren es 2011 nur noch 4.054.

„Wir nehmen den Rückgang der Organspende sehr ernst und arbeiten mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken unermüdlich an Möglichkeiten und Wegen, um mehr Menschen mit einer Transplantation zu helfen“, erklärt Günter Kirste, Medizinischer Vorstand der DSO. Die DSO ist als beauftragte Koordinierungsstelle darauf angewiesen, dass die Krankenhäuser potenzielle Spender melden. „Dafür sind wir rund um die Uhr erreichbar und unterstützen die Kliniken, wo wir können“, betont der Mediziner.

Die neuen Zahlen dürften noch einmal die Dringlichkeit der Debatte um eine Erhöhung der Spendenbereitschaft unterstreichen. Denn 12.000 Menschen stehen in Deutschland zurzeit auf der Warteliste für ein lebenswichtiges Organ; nach Schätzungen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sterben täglich drei von ihnen, weil es zu wenige Spenderorgane gibt.

Um das zu ändern, haben sich die Chefs der fünf Bundestagsfraktionen auf eine Änderung des Transplantationsgesetzes verständigt, die noch in diesem Jahr beschlossen werden soll. Zentraler Punkt der Einigung, die auch als „Erklärungslösung“ bezeichnet wird: Anders als bisher sollen die Bürger künftig „regelmäßig, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte, und mit einer höheren Verbindlichkeit abgefragt werden“, ob sie zu einer Spende bereit sind. Einerseits also sollen die Bürger mit mehr Nachdruck mit dem für viele unangenehmen Thema konfrontiert werden. Andererseits aber sollen Antworten nicht erzwungen oder Sanktionen angedroht werden. 

Zugleich will die Politik einen anderen Hebel ansetzen. Im Juni vergangenen Jahres beschloss das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf, der die Krankenhäuser ausdrücklich verpflichtet, mögliche Organspender zu melden und aktiv an einer Organentnahme mitzuwirken.

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In jeder Klinik soll es künftig auch einen Transplantationsbeauftragten geben, der potenzielle Spender meldet und das Krankenhauspersonal schult und berät. Derzeit kommen nur 40 Prozent der Krankenhäuser dieser Forderung nach, weil die Organentnahme aufwendig ist und viel Geld kostet. Von 4.000 Hirntoten würden jährlich nur 1.900 gemeldet, kritisiert beispielsweise die Deutsche Hospiz Stiftung. Das sei ein Organisationsversagen. 

Beobachter verweisen darauf, dass die Spendenbereitschaft wesentlich von der Bereitschaft der Kliniken abhängt, sich für Transplantationen zu engagieren und mit den Angehörigen möglicher Spender zu reden. Sie verweisen auf die großen regionalen Unterschiede: So liegt Hamburg mit 34 Organspendern pro eine Million Einwohner international weit über dem Durchschnitt. In Baden-Württemberg sind es hingegen statistisch gerade 12,5 Organspender. 

Ein im vergangenen Dezember veröffentlichtes Gutachten des Deutschen Krankenhaus Instituts weckt allerdings Zweifel, ob die Zahl der potenziellen Organspender mit solchen Maßnahmen erheblich erhöht werden kann. Als ein Grund wird genannt, dass der Widerstand von Angehörigen gegen eine Organentnahme bei Verstorbenen erheblich höher sei als von der DSO ausgewiesen. 

Darüber hinaus führten die feste Verankerung der Palliativmedizin sowie ein verstärktes Interesse an Therapiebegrenzungen dazu, dass viele Menschen so behandelt werden, dass eine spätere Organentnahme nicht mehr möglich ist, heißt es.

© kna/EB/aerzteblatt.de

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bach
am Freitag, 13. Januar 2012, 17:07

Es geht ja nicht nur um potentielle Organspende

sondern auch um die lukrative kommerzielle Gewebespende, die damit verbunden ist. Die Organentnahme aus dem sterbenden Menschen sowie die Entnahme verschiedener Gewebe aus der Leiche schreckt schon ab. Eine Bestattungskostenübernahme der beteiligten Pharmafirmen war noch nie ein Diskussionsthema!
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