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Nutzen der Stammzell­transplantation bei multiplem Myelom nicht belegt

Donnerstag, 12. Januar 2012

Berlin – Der Nutzen bestimmter Formen der Stammzelltransplantation für Patienten mit multiplem Myelom ist aufgrund des Fehlens belastbarer Daten derzeit nicht sicher einzuschätzen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem jetzt veröffentlichten Abschlussbericht. Demnach sind viele der bislang verfügbaren Studien anfällig für Verzerrungen, die Ergebnisse einiger wichtiger großer Studien wurden laut IQWiG zudem nicht vollständig veröffentlicht.

Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks, die meist erst behandelt wird, wenn Patienten Beschwerden bekommen. „Die Heilungsaussichten sind nicht gut“, heißt es dazu aus dem Institut. Leitlinien würden in dieser Situation bei vielen Patienten eine sogenannte autologe Stammzelltransplantation empfehlen, bei der eigene Stammzellen des Patienten verwendet werden. Auch allogene Transplantationen, bei der das Transplantat von einer fremden Person stammt, werden dem IQWiG zufolge heute bei Patienten mit multiplem Myelom eingesetzt.

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Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollte das IQWiG zum einen den Nutzen einer mehrfach angewandten autologen Transplantation mit der als Standardtherapie geltenden einfachen autologen Transplantation vergleichen. Zum anderen sollten mehrere Varianten der allogenen Transplantation auf den Prüfstand gestellt werden.

„Insgesamt wären neun Therapievergleiche denkbar gewesen, tatsächlich untersuchen konnten wir jedoch nur fünf, weil es zu den übrigen bislang keine oder keine angemessenen Studien gibt“, erklärten die Wissenschaftler. Sie fanden 17 geeignete Studien, die für eine Bewertung des Nutzens verwendbare Daten enthielten. „Viele dieser Studien sind jedoch in hohem Maße anfällig für Verzerrungen und ihre Ergebnisse deshalb nicht eindeutig interpretierbar“, so die Forscher.

Im Vergleich zum Vorbericht revidierte das IQWiG im Abschlussbericht seine Aussage zur mehrfach angewandten autologen Transplantation. Zunächst hatten die Wissenschaftler die verfügbaren Studienergebnisse dahingehend interpretiert, dass eine zweimalige Übertragung von patienteneigenen Stammzellen im Vergleich zu einer einmaligen die Zeit bis zu einem Rückfall verlängern kann.

In der Zwischenzeit fand das Institut aber weitere, zum Teil unter deutscher Leitung durchgeführte große Studien, deren Ergebnisse in Auszügen beispielsweise auf Kongressen berichtet, aber nie vollständig veröffentlicht wurden. Da für mehr als die Hälfte aller Studienteilnehmer Daten fehlen und eine Bewertung allein auf Basis der veröffentlichten Daten ein verzerrtes Ergebnis ergeben könnte, sieht das IQWiG in seinem Abschlussbericht keinen Beleg und auch keinen Hinweis oder Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen der autologen Mehrfach-Transplantation.

Für die allogene Übertragung von Stammzellen von verwandten Spendern geben die Ergebnisse dem Institut zufolge Anlass zur Vorsicht: „Nach den verfügbaren Daten könnte die Lebenserwartung der Patienten, die eine allogene Transplantation mit einer aggressiven Vorbehandlung erhalten, sogar verkürzt sein im Vergleich zu Patienten, die eigene Stammzellen erhalten“, heißt es dazu. Sicher nachgewiesen sei, dass die von einer anderen Person stammenden Zellen bei manchen Patienten eine Abstoßungsreaktion auslösen, die tödlich enden könne.

Dagegen fanden die Wissenschaftler einen Hinweis auf einen Zusatznutzen bei der Hybrid-Transplantation mit dosisreduzierter Konditionierung. Dabei handelt es sich eine Kombination aus autologer und allogener Transplantation. „Die Lebenserwartung der Patienten mit einer Hybrid-Transplantation war höher als bei Patienten mit einer zweifachen autologen Transplantation“, erklärten die Forscher. Allerdings gebe es gleichzeitig Hinweise auf einen höheren Schaden, da bei der Hybrid-Transplantation auch bei dosisreduzierter Konditionierung mehr Patienten an der Therapie selbst starben.

Aufgrund der Wissenslücken und der vielen ungeklärten Fragen ist der Einsatz bestimmter Formen der Stammzelltransplantation bei multiplem Myelom dem IQWiG zufolge derzeit nur im Rahmen von klinischen Studien vertretbar. Patienten müssten zudem umfassend über den möglichen potenziellen Nutzen und Schaden informiert werden. hil © hil/aerzteblatt.de

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