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Medizin

Stummes Vorhofflimmern als Schlaganfallrisiko

Donnerstag, 12. Januar 2012

Hamilton – Ein Vorhofflimmern wird von den meisten Patienten zunächst nicht bemerkt. Es geht aber in der subklinischen Phase bereits mit einem erheblichen Schlaganfallrisiko einher. Dies zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (2012; 366: 120-129).
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Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle werden auf ein klinisches Vorhofflimmern zurückgeführt. Auslöser ist in der Regel ein Thrombus, der sich im dysfunktionalen linken Vorhof bildet und via Ventrikel in die arterielle Strombahn gelangt und dann eine Hirnarterie verlegt. Es ist seit längerem bekannt, dass ein Vorhofflimmern von vielen Patienten nicht bemerkt wird.

Unklar war jedoch, ob auch diese subklinische Erkrankung mit einem Schlaganfallrisiko verbunden ist. Die Frage kann jetzt beantwortet werden, weil eine zunehmende Zahl von Menschen mit modernen Herzschrittmachern oder implantierten Cardioverter-Defibrillator (ICD) versorgt werden, die die Herzaktivität aufzeichnen. Kardiologen können sie später auswerten.

Die Asymptomatic Stroke and Atrial Fibrillation Evaluation in Pacemaker Patients Trial (ASSERT) umfasst 2.580 Schrittmacher- oder ICD-Träger, die zu Beginn der Studie nicht an einem Vorhofflimmern litten. Schon in den ersten 3 Monaten der Studie kam es bei 10 Prozent der Teilnehmer zu einer subklinischen atrialen Tachyarrhythmie. In der gesamten Beobachtungszeit von 2,5 Jahren traten sie bei fast 35 Prozent der Teilnehmer auf. Ein subklinisches Vorhofflimmern war achtmal häufiger als ein klinisches Vorhofflimmern und es ging mit einem 2,5-fach erhöhten Schlaganfallrisiko einher, berichtet Jeff Healey von der McMaster University in Hamilton/Ontario. Nach seinen Berechnungen könnte das subklinische Vorhofflimmern für nicht weniger als 13 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich sein.

Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern (und einem definitiv erhöhtem Schlaganfallrisiko) werden heute mit oralen Antikoagulanzien behandelt. Ob auch Patienten mit asymptomatischem Vorhofflimmern von dieser Behandlung profitieren, ist bisher nicht untersucht worden.

Die Zufallsdiagnose einer kurzen asymptomatischen Phase eines Vorhofflimmerns im EKG berechtigt deshalb nicht zu einer Therapie, solange der Einsatz nicht durch Studien belegt ist, warnt der Editorialist Gervasio Lamas Mount Sinai Medical Center in Miami Beach (NEJM 2012; 366: 178-180). © rme/aerzteblatt.de

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