Eisenmangel im Jugendalter könnte Hirnentwicklung stören
Montag, 16. Januar 2012
Das gebundene Eisen des Transferrins ist orange dargestellt /Geomann 3
Los Angeles – Erhöhte Transferrinwerte, ein Marker für einen latenten Eisenmangel, beeinflussen möglicherweise die Reifung des Gehirns in der Jugendzeit. Nach einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2012; doi: 10.1073/pnas.110554310) üben auch Varianten des HFE-Gens, die im Alter eine milde Hämochromatose auslösen, einen Einfluss aus.
Eisen ist sowohl lebensnotwendig wie potenziell schädlich. Der Körper ist deshalb bestrebt, sowohl einen Mangel als auch einen Überfluss, zu vermeiden. Ein wichtiges Instrument ist das Transportprotein Transferrin, das bei einem Mangel vermehrt in der Leber gebildet wird. Die Gruppe um Paul Thompson von der Universität von Kalifornien in Los Angeles kann jetzt zeigen, dass hohe Transferrin-Werte (sprich: Eisenmangel) im Jugendalter sich auf die weitere Reifung des Gehirns auswirkt.
Die Forscher führten bei 615 jungen Erwachsenen (Durchschnittsalter von 23 Jahre) eine Kernspintomographie des Gehirns durch. Darunter waren Geschwister und auch Zwillinge. Bei 574 Erwachsenen wurden auch Aufnahmen mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung angefertigt. Sie stellt den Verlauf der Nervenfasern im Gehirn dar. Bei allen Teilnehmern waren die Transferrinwerte im Alter von 12, 14 und 16 Jahren bestimmt worden.
Bei den Jugendlichen, bei denen die Transferrinwerte (vermutlich) infolge eines Eisenmangels in der Diät erhöht waren, stellte Thompson eine „gestörte Integrität der Fasern in der weißen Hirnsubstanz“ fest. Die gleichen Veränderungen wurden bei Studienteilnehmern mit einer Variante im HFE-Gen gefunden, die ebenfalls die Tranferrin-Spiegel beeinflusst.
Es handelt sich um einen Polymorphismus (H63D in rs1799945), der im Erwachsenenalter mit einer milden Form der Hämochromatose einhergeht. Bei dieser Varianten kommt es allerdings nicht zu kognitiven Defekten. Der Forscher hat auch keine neurophysiologischen Tests bei seinen Probanden durchgeführt, so dass offen bleiben muss, ob die „morphologischen“ Veränderungen in der Kernspintomografie von klinischer Bedeutung sind.
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Eisenmangel kann zu einer Funktionsstörung der Schilddrüsenperoxidase führen. Hierdurch wird die Schilddrüse in ihrer Hormonsyntheseleistung beeinträchtigt mit der Folge einer Hypothyreose oder einer Hypothyroxinämie. Sowohl die Hypothyreose, als auch die Hypothyroxinämie führen zu einer strukturellen Hirnreifungsstörung.
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