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Migration im Kindesalter als Psychoserisiko

Montag, 16. Januar 2012

Den Hague – Der Kulturschock, der mit der Migration in Länder eines verschiedenen Kulturkreises verbunden ist, geht mit einer erhöhten Rate von Psychosen einher. Eine besondere Gefährdung besteht einer Studie im American Journal of Psychiatry (2011; 168: 1278-1285) zufolge, wenn die Migranten als kleine Kinder ins Land kamen.

Obwohl die Schizophrenie und andere Psychosen als organische Hirnerkrankungen begriffen werden, ist ihre Inzidenz in verschiedenen Immigrantengruppen höher als bei Einheimischen. Eine mögliche Ursache ist der Stress, der mit der „Integration“ in die neue Gesellschaft verbunden ist. So war Wim Veling von der Parnassia Bavo Groep in Den Haag vor einigen Jahren aufgefallen, dass vor allem junge Männer aus Marokko häufiger an Psychosen erkranken, während die Migration innerhalb des westlichen Kulturkreises das Risiko nicht erhöhte.

Marokkaner erkrankten in der ersten Generation 5,8-fach und in der zweiten Generation sogar 6,8-fach häufiger an einer Schizophrenie als Einheimische. Marokkaner haben laut Veling die größten Schwierigkeiten sich in der niederländischen Gesellschaft zurechtzufinden.

Mehr noch als Einwanderer aus Surinam oder den Antillen erleben sie häufig soziale Niederlagen und leiden unter hohem Akkulturationsstress (Schizophrenia Research 2006; 86: 189-193). In der Untersuchung hatten auch Migranten aus Surinam oder den Antillen ein erhöhtes Risiko, während die Migration aus Ländern aus westlichen Ländern das Psychoserisiko nicht erhöhte.

Die neue Untersuchung der Gruppe zeigt, dass das Alter, in dem die Migranten in den Niederlanden eintrafen, das Risiko auf eine spätere Psychose beeinflusst. Wenn die Einreise im Alter von unter 5 Jahren erfolgte, war das Risiko einer späteren Psychose um den Faktor 3 erhöht.

Danach nahm es langsam ab. Migranten, die als Erwachsene in die Niederlande einreisten, hatten kein erhöhtes Psychoserisiko mehr. Die Studie widerspricht gelegentlich geäußerten Hypothesen, nach denen psychosoziale Faktoren eine wichtige Motivation für die Immigration junger Erwachsener sind. © rme/aerzteblatt.de

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