Vermischtes

Fachgesellschaft kritisiert Urteil zur Zwangsbehandlung

Dienstag, 17. Januar 2012

Berlin – Vor den Konsequenzen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 23. März 2011 zur Zwangsbehandlung im Maßregelvollzug hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) gewarnt. Das Gericht hat darin die Zwangsbehandlung mit Antipsychotika bei behandlungsunwilligen, krankheitsuneinsichtigen Patienten im psychiatrischen Maßregelvollzug als schwerwiegenden Eingriff in das Grundrecht bewertet und an strengste Anforderungen geknüpft.

„Aus psychiatrischer Sicht ist die Stärkung des Patientenwillens und der Patientenautonomie zu begrüßen“, hieß es aus der Fachgesellschaft. Allerdings habe die Rigorosität des Verbots gravierende Konsequenzen und zwinge die Helfenden, ihren Patienten erfolgversprechende Hilfe vorzuenthalten. Sinnvolle Hilfsangebote seien nicht mehr nutzbar, das Unterlassen von Hilfeleistungen werde so zur ärztlichen Aufgabe.

„Die ‚freie‘ Willensentscheidung psychisch Kranker wird zynisch zur Legitimation der langfristigen Verwahrung“, so die DGPPN. Die Fachgesellschaft wies darauf hin, dass Behandlungen ohne den Willen des Patienten dann bedeutsam und hilfreich seien, wenn Menschen aufgrund ihrer psychischen Störung für sich oder andere gefährlich würden.

Anzeige

Die DGPPN fordert unter anderem:

• eine eindeutige gesetzliche Grundlage für eine Behandlung, die dann erforderlich wird, wenn ein Patient infolge einer psychischen Störung eigen- oder fremdgefährdend ist und aufgrund mangelnder Einsicht einer wirksamen Behandlung und deren Fortführung zur Aufrechterhaltung des Behandlungserfolgs nicht zustimmen kann

• eine eindeutige gesetzliche Grundlage für eine erforderliche Zwangsbehandlung auch bei einwilligungsfähigen Patienten, die infolge einer psychischen Störung gefährlich geworden sind und der Verantwortung von Ärzten übergeben werden. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Clemens-X
am Freitag, 31. August 2012, 23:48

Ich fordere: Psychotherapie statt Pillen!!! — Und Entmachtung der Pharma-Industrie!

Seit über 20 Jahren setzen sich immer mehr ehrliche, nicht korrupte Wissenschaftler, Psychotherapeuten und engagierte Betroffene dafür ein, dass sich folgende Einsichten durchsetzen:

Fast alle menschlichen Verhaltensweisen, die in ICD-10 in der F-Gruppe gelistet sind, und die nicht eindeutig auf organische Ursachen zurück zu führen sind, stellen allesamt dysfunktionale Bewältigungsversuche dar, um eine für sie ansonsten unlösbare innere Konfliktsituation lösen zu können. Natürlich stellen diese Bewältigungsstrategien aus Sicht der „normalen” Menschen eine Abweichung dar, die auch das Zusammenleben stören kann und zuweilen auch Fremd- und Selbstgefährdung bedeuten kann.

Unter rein psychologischen Gesichtspunkten stellen aber all diese Bewältigungsversuche äußerst creative Leistungen der Betroffen dar! Diese Creativität, diese Kräfte müssen endlich als Ressourcen anerkannt werden, die auch in der Therapie genutzt werden sollen.

Folgt man dieser Ansicht, so ergibt sich zwangsläufig die Erkenntnis, dass der Übergang von „normal” zu „gestört” und dann zu „psychotisch” völlig stufenlos fließend verläuft. Diese Sichtweise ist zugleich Voraussetzung dafür, endlich die katastrophalen Menschenversuche mit Neuroleptika und Antidepressiva einzustellen!

Die meisten dieser Mittel sind doch ausschließlich aufgrund von gefälschten Versuchsreihen und Wirkungsstudien, Korruption in den Zulassungsbehörden und perfidem Marketing in Umlauf gebracht worden. Die Nachweise für diese Aussage sind längst erbracht!!!
Lesen Sie bitte das Buch: Nebenwirkung Tod von Dr. John Virapen. Der Autor hatte sich zum Spitzenmanager bei Eli-Lilly Pharma empor gearbeitet und kennt daher die zahllosen kriminellen Tricks der Pharma-Industrie. In diesem Buch packt er aus! Insiderwissen pur!
Und nein, er rächt sich nicht an seinem früheren Arbeitgeber, sondern hat das Buch veröffentlicht, weil er sich schuldig fühlt an den Millionen Menschen weltweit, die unter den oftmals tödlichen Nebenwirkungen dieser Stoffe leiden. Und weil die Pharma-Industrie in unersättlicher Geldgier immer neue „Märkte” erschließen muss, um ihre Aktionäre zufrieden zu stellen, sind seit rund 10 Jahren nun unsere Kinder dran, gezielt zu Pharma-Konsumenten gemacht zu werden. Herr Virapen ist deshalb in großer Sorge um das Wohlergehen seines kleinen Sohns, seiner weiteren Kinder und aller Kinder dieser Welt. Er hat durch seine Vertriebs- und Marketing-Tätigkeit für Eli-Lilli den Weg für diese Verbrechen selbst gelegt. Und die daraus entstehende Gewissensqual lässt ihn nicht mehr zur Ruhe kommen.

Schauen Sie ich doch die Lügen mal genau an, die uns die Pharma-Industrie verkaufen will: Bis heute ist zum Beispiel die Serotonin-/ Noradrenalin-Wirkungstheorie durch NICHTS bewiesen! Eher gibt es zahlreiche Hinweise, dass sie falsch ist und nur dazu erfunden wurde, um der Pharma-Industrie Milliarden Umsätze zu ermöglichen!

Und dann die SSRI-Lüge, die Mittel seien nebenwirkungsarm: Ein von Depression betroffener Mensch, der (trotz) der SSRI-Verordnung seine Depression los geworden ist, hat beste Chancen, schwer depressiv oder gar suizidal zu werden, wenn er erkennen muss, dass er seine Sexualität komplett und chronisch verloren hat! (siehe unter PSSD: http://de.wikipedia.org/wiki/SSRI-bedingte_sexuelle_Dysfunktion) Diese extremen Nebenwirkungen wurden lange Jahre über einfach totgeschwiegen. Jetzt endlich stehen sie sogar in der Wikipedia!

Und was ist mit den noch schlimmeren Nebenwirkungen der Neuroleptika? Ich meine, es ist einfach unverantwortlich und nicht vertretbar, die Patienten über Nebenwirkungen zu belügen und nicht einwilligungsfähige Menschen zwangszubehandeln unter dem Vorwand, nur die sofortige Verabreichung derartiger Mittel könne eine rasante Verschlimmerung psychotischer Zustände verhindern. Ich sehe das als vorsätzliche Körperverletzung an!

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil
mkohlhaas
am Freitag, 31. August 2012, 03:34

Was soll denn daran Heilbehandlung sein

http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/08/29/712/
Winston Smith
am Montag, 23. Januar 2012, 23:25

Über dem Gesetz stehen

Psychiater setzen sich in ihrem Größenwahn über das Bundesverfassungsgericht.
Damit outet sich die DGPPN endgültig als verfassungsfeindliche Organisation.
Vielleicht findet die DGPPN bei der NPD Gesinnungsgenossen, bei denen sie sich ausheulen kann. Schließlich war damals die NSDAP auch sehr entgegenkommend, was die Wünsche der Psychiatrie- und Eugeniklobby anging.

Für alle, die sich gerne von der Psychiatrie zwangsbehandeln lassen wollen, gibt es die positive psychiatrische Vorausverfügung:

http://www.antipsychiatrie.de/io_08/positivestestament.htm

All diejenigen, die meinen daß ihnen psychiatrischer Zwang und Gewalt hilft, sollen diese unterschreiben, damit ihre behandelnden Psychiater sich rechtlich absichern können, den Rest der Welt aber bitte in Ruhe lassen.

mkohlhaas
am Sonntag, 22. Januar 2012, 22:36

Nachtrag

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48810/Antipsychotika-koennen-endogene-Retroviren-foerdern
mkohlhaas
am Sonntag, 22. Januar 2012, 22:22

Und was ist damit

Zur "Behandlung":
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/35070
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48376/Antipsychotika_Entzugssymptome_bei_Neugeborenen.htm
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-82995619.html

Und zur Krankheitseinsicht:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/psychische-krankheiten-da-zappelt-die-seele-11521956.html

http://www.springerlink.com/content/n7h03268452078u5/
http://www.springerlink.com/content/e307uv11x5hq7u40/

Kwe10
am Freitag, 20. Januar 2012, 08:57

Willkürfaktoren?

Ich kann die Wünsche der DGPPN durchaus nachvollziehen – insbesondere hinsichtlich folgenden Zitats: „Gerne würden wir die Patienten angemessen therapieren – aber uns fehlt zu oft die Zeit“ (Leiter einer psychiatrischen Klinik im deutschsprachigen Raum). Kurzum: Mir drängt sich der Eindruck auf, dass oft medikamentös behandelt wird – obwohl die Ärzte WISSEN, dass eine nichtmedikamentöse Therapieform angezeigt ist.
Zum Zweiten: Wer entscheidet, dass ein Patient „nicht zustimmen kann“? Ein Arzt? Ein Gremium, innerhalb dessen in der Regel dem „Leitwolf“ gefolgt wird? Anhand einer „Checkliste“, die einen nahezu unüberschaubaren Variantenreichtum bietet?
Kurzum: Korrekte Entscheidung – welche die Ärzte „zwingt“, von einer Zwangsbehandlung abzusehen und sich mit dem Menschen zu beschäftigen. Wobei, ich hör´ schon den Aufschrei: „Dafür brauchen wir viiel mehr Ressourcen!“ Wie wär´s mit effektiven Therapien?! Haben Sie nicht?....hmmmm
rainerfi
am Donnerstag, 19. Januar 2012, 21:06

Korrektes Urteil

Wenn man jemandem gegen seinen Willen Psychopharmaka verabreicht, das kann nicht richtig sein. Die Gesellschaft sollte generell versuchen diese unheilvollen "Medikamente" loszuwerden und es auf natürlichem Wege versuchen. Es gibt jetzt schon zahlreiche funktionierende Alternativansätze.
Zingulus
am Donnerstag, 19. Januar 2012, 12:00

Der Verrückte Mensch

Die Selbstherrlichkeit der Psychiatrie hinsichtlich Zwangsbehandlung zumindest etwas an die Leine zu legen, ist eine mutige Entscheidung des Gerichts.
Wenn die Psychiatrie auch nur einen Beweis ihrer "Hilfe" vorzuweisen hätte, würden wir ja alle ihren Ratschlägen folgen.Nur in einen weißen Kittel zu schlüpfen und Fremdwörter hervorzusprudeln, lenkt den denkenden Menschen nicht von ihren wahren Absichten ab,nämlich ruhig zu stellen, mental zu verstümmeln und für die Pharmaindustrie riesige Gewinne einzufahren.
Zingulus
am Donnerstag, 19. Januar 2012, 11:55

Der Verrückte Mensch

Die Selbstherrlichkeit der Psychiatrie hinsichtlich Zwangsbehandlung zumindest etwas an die Leine zu legen, ist eine mutige Entscheidung des Gerichts.
Wenn die Psychiatrie auch nur einen Beweis ihrer "Hilfe" vorzuweisen hätte, würden wir ja alle ihren Ratschlägen folgen.
chinamed
am Mittwoch, 18. Januar 2012, 21:19

Eingriff in Gesundheit

Jeder Psychiater weiß, dass Psychopharmaka nicht heilen, bestenfalls zeitweilig lindern. Als Langzeitfolge werden die Patienten immer kränker, bis sie ihren so erreichten Zustand nicht mehr ertragen und sich umbringen. Dass gegen diese Art der Behandlung das Bundesverfassungsgericht einschreitet, ist notwendig, gerade wenn den behandelnden Psychiatern das Unrechtsbewußtsein für derartiges Handeln und die damit verbundene Körperverletzung zu fehlen scheint.
Der Patient hat das Recht psychisch krank zu sein. Wenn er andere schädigt wird er sich seine Isolierung gefallen lassen müssen. Das rechtfertigt noch lange keine Zwangsbehandlung, die gerade in Deutschland eine verwerfliche Tradition hat.
Wneu
am Mittwoch, 18. Januar 2012, 20:44

Forderung wirkt verdächtig

Wie die genannten strengsten Anforderungen aussehen, ist dem Artikel nicht zu entnehmen, aber meines Wissens ist bei definitiver Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung eine Zwangsbehandlung zugelassen.
Was verhindert werden sollte, ist allerdings der früher oft vorkommende Missbrauch, dass Bürger einer Zwangsbehandlung unterzogen wurden, die nachträglich als inkorrekt erkannt wurde. Hier ist der Willkür wahrhaftig ein Riegel vorzuschieben. Jemanden, wie es mehrmals vorgekommen ist, durch Psychpharmaka auf Dauer zu schädigen (man lese z.B. die Nebenwirkungen von Haldol) oder jahrelang einzusperren, ist ein schwerwiegender Eingriff in das Grundrecht.
DrogenSindDoof
am Mittwoch, 18. Januar 2012, 20:20

Ist doch zum Schutz der Psychiatrie

Diese Behandlung mit Psychopharmaka stellt eigentlich bereits eine mutwillige Körperverletzung dar. Schauen sie sich nur all die unerwünschten Wirkungen, Nebenwirkungen, dieser Mittel an. Man muss schon Psychiater sein, dass man für die durch diese Mittel verursachten Todesfälle nicht zur Rechenschaft gezogen wird.
Dieses Gesetz schützt doch die Psychiatrie und auch die Patienten.
5.000 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

16.02.16
Maßregelvollzug: Sachverständige begrüßen zeitliche Begrenzung der Unterbringung
Berlin – Sachverständige aus Medizin und Recht haben am Montag in einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses zu einem Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/7244) Stellung genommen, der die......
31.07.15
Psychiater fordern grundlegende Reform des Maßregelrechts
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) begrüßt den Referentenentwurf eines „Gesetzes zur Novellierung des Rechts der......
02.07.15
Berlin – Die Rückfallquote im sogenannten Maßregelvollzug ist erheblich niedriger als im Strafvollzug. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und......
19.08.14
Berlin – Reformen beim sogenannten Maßregelvollzug hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) gefordert. Aktueller Anlass dafür ist die Debatte um Gustl......
04.03.14
Helmstedt – Psychisch kranke Straftäter im Maßregelvollzug sollen in Niedersachsen wieder mit Medikamenten ruhig gestellt werden dürfen. Das hat heute das niedersächsische Landeskabinett beschlossen.......
16.10.13
Düsseldorf – Das NRW-Gesundheitsministerium hat zwei weitere Standorte für forensische Kliniken festgelegt. Auf ehemaligen Zechengeländen in Haltern (Kreis Recklinghausen) und in Lünen (Kreis Unna)......
09.08.13
Berlin – Vor dem Hintergrund der Diskussion um Gustl Mollath und die vom Oberlandesgericht Nürnberg angeordnete Wiederaufnahme seines Verfahrens hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige