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Fast 400 Frauen erhielten in Hamburg minderwertige Brust-Implantate

Dienstag, 17. Januar 2012

Hamburg – In fast 400 Fällen sind Frauen in Hamburg die möglicherweise gesundheits­gefährdenden Brustimplantate des Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) und baugleiche Silikonkissen der Firma ROFIL Medro eingesetzt worden. Von Ärzten der Hansestadt wurden bis Dienstag 367 Fälle gemeldet, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde sagte. Bislang seien die umstrittenen Implantate in mindestens fünf Hamburger Kliniken verwendet worden. Allerdings könnten in den kommenden Tagen weitere Einzelmeldungen folgen.

„Für jede Frau, die diese Implantate erhalten hat, ist es eine beängstigende Situation“, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Trotzdem riet die SPD-Politikerin von einer überstürzten operativen Entfernung ab. Das richtige Vorgehen müsse in jedem Fall in einem gemeinsamen Gespräch mit dem eigenen Arzt beschlossen werden, sagte Prüfer-Storcks.

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Außerdem sollten die betroffenen Patientinnen im Vorfeld einer Operation mit ihrer Krankenkasse abklären, inwiefern die Kosten für den Eingriff übernommen werden. Denn dies sei für die Kasse nur Pflicht, wenn die Implantate aus medizinischen Gründen eingesetzt worden seien, wie etwa als Folge einer Krebserkrankung. Die Kosten für das Entfernen oder Ersetzen von Brustimplantaten, die die betroffenen Frauen im Rahmen einer Schönheitsoperation erhalten haben, muss die Kasse nicht zwangsweise übernehmen.

Umfangreiche Konsequenzen gefordert
Aus Sicht von Senatorin Prüfer-Storcks müssen Konsequenzen aus dem Implantat-Skandal gezogen werden. Die Politikerin forderte europaweit bessere Kontrollen von Medizinprodukten, wie etwa unangemeldete Betriebsbesichtigungen und Überprüfungen der laufenden Produktion. „Im Vordergrund müssen sichere Produkte und ein hoher Patientenschutz stehen, nicht europäische Standards auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner“, sagte Prüfer-Storcks.

Außerdem müsse ein zentrales nationales Register für Implantate eingeführt werden. Da ein solches bislang in Deutschland nicht geführt wird, musste die Hamburger Gesundheitsbehörde in den vergangenen Tagen jede medizinische Einrichtung der Hansestadt einzeln über einen Einsatz der möglicherweise krebserregenden Implantate befragen. © dapd/aerzteblatt.de

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