Umverteilung von B-Lymphozyten bei multipler Sklerose
Mittwoch, 18. Januar 2012
München – Zahl und Zusammensetzung der B-Zellen im Blut und Liquor verändern sich während der Schubphase einer multiplen Sklerose (MS) stark. Das berichten Wissenschaftler des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) unter Leitung von Brigitte Wildemann von der Sektion Molekulare Neuroimmunologie der Universität Heidelberg im Journal of Autoimmunity“ (doi 10.1016/j.jaut.2011.08.003). „Dieses Ergebnis untermauert die Bedeutung der B-Zellen als Ziel moderner immuntherapeutischer Ansätze“, sagte Jürgen Haas, Laborleiter und Erstautor der Studie.
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B-Zellen sind für die Bildung von Antikörpern zuständig. Für ihre Studie haben die Heidelberger Forscher eine Reihe von B-Zell-Subtypen untersucht und dabei festgestellt, dass bei aktiver MS die Zahl naiver B-Zellen, also solcher, die noch nie mit Antigenen in Berührung gekommen sind, im Blut ansteigt. Gleichzeitig geht die Zahl antigenerfahrener B-Lymphozyten, sogenannter Gedächtnis-B-Zellen, zurück.
Diese veränderte Verteilung hat zur Folge, dass die Immunreaktion der B-Zellen insgesamt reduziert ist. Für eine aktive Umverteilung von B-Zellen in Phasen akuter Krankheitsaktivität spricht die gegenläufige Verteilung der verschiedenen Subtypen im Liquor, wie sie sich laut der Arbeitsgruppe bei MS-Patienten nachweisen lässt: Während B-Zellen normalerweise die Blut-Liquor-Schranke nicht passieren, seien sie bei aktiver MS auch dort aufzufinden. „Und zwar in genau umgekehrter Verteilung als im Blut: Gedächtniszellen treten dreimal häufiger auf als naive B-Zellen“, sagte Haas.
Da bei der Mehrzahl der Probanden eine erhöhte Menge bestimmter Chemokine im Liquor nachweisbar war, gehen die Forscher davon aus, dass diese Lockstoffe die gezielte Einwanderung antigenerfahrener Gedächtnis-B-Zellen in die Gehirnflüssigkeit begünstigen.
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