Medizin

Pädiatrie: Immunsuppressivum nach Lebertransplantation erfolgreich abgesetzt

Mittwoch, 18. Januar 2012

San Francisco – Einige Patienten entwickeln nach einer Lebertransplantation eine „operationelle Immuntoleranz“, die ein allmähliches Ausschleichen der Immunsuppression erlaubt. In einer ausgewählten Gruppe von pädiatrischen Patienten gelang dies in 12 von 20 Fällen, wie Mediziner aus Kalifornien im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 283-293) berichten.

Die Studie war auf Patienten unter 18 Jahren beschränkt, die zumeist im Säuglingsalter eine Teilleber von einem Lebendspender erhalten hatten. Um am Programm teilzunehmen zu können, mussten mindestens 4 Jahre seit der Transplantation vergangen sein. Die Patienten durften nur mit einem einzigen Immunsuppressivum behandelt worden sein, und in einer Biopsie durften keinerlei Zeichen einer akuten oder chronischen Abstoßungsreaktion erkennbar sein.

Die Lebertransplantation durfte nicht aufgrund einer Hepatitis oder einer Autoimmunerkrankung erfolgt sein. Von den 129 Kandidaten der Uniklinik in San Francisco erfüllten nur 20 Patienten alle Bedingungen. Bei ihnen wurde die tägliche Dosis des Immunsuppressivums über 36 Wochen langsam reduziert. Wenn es darunter nicht zu einer Abstoßung kam, wurde nach und nach die Zahl der wöchentlichen Dosierungen gesenkt, bis die Patienten schließlich keine Immunsuppressiva mehr erhielten.

Wie Sandy Feng und Mitarbeiter berichten, leben 12 der 20 Patienten mittlerweile länger als 1 Jahr ohne Immunsuppression. Ihre Leberwerte seien normal und auch die letzten Leberbiopsien, die 2 Jahre nach dem Absetzen des Medikaments erfolgten, würden allenfalls milde Zeichen einer Abstoßungsreaktion zeigen. Auch wenn spätere Krisen nicht auszuschließen sind, haben diese 12 Patienten nach Einschätzung von Feng doch eine „operationelle Immuntoleranz“ entwickelt.

Die anderen acht Patienten werden wieder immunsuppressiv behandelt. Darunter war ein Patient, bei dem nachträglich ein Verstoß gegen die Ausschlusskriterien entdeckt wurde. Von den anderen sieben Patienten schieden vier aus, weil es nicht gelang die Immunsuppression auszuschleichen. Die anderen drei Patienten waren vorübergehend ohne Immunsuppression.

Sie müssen die Medikamente jedoch nach einer akuten Abstoßungskrise wieder einnehmen. In keinem Fall kam es zu einer schweren steroid-refraktären Abstoßungskrise oder zum Verlust des Organs oder zum Tod des Patienten. Der nächste Schritt sollte laut Feng eine größere kontrollierte Studie an mehreren Zentren sein. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige