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Antipsychotika können endogene Retroviren fördern

Donnerstag, 19. Januar 2012

Neuherberg – Die Behandlung mit antipsychotischen Medikamenten kann die Aktivität humaner endogener Retroviren (HERVs) in Gehirnzellen von Patienten mit Schizophrenie oder bipolaren Erkrankungen verstärken. Das berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals PLoS ONE (doi:10.1371/journal.pone.0030054).

Eine erhöhte Expression verschiedener HERV-Gruppen bei Schizophrenie hatten Wissenschaftler bereits mehrfach beschrieben und mit der Erkrankung assoziiert – dass diese Stimulation teilweise durch die Medikation der Patienten verursacht werden kann, zeigte jetzt das Team um Christine Leib-Mösch vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München. Der Einfluss der Medikamente, den die Wissenschaftler auf sogenannte epigenetische Effekte zurückführen, erstreckt sich jedoch nicht auf alle Typen von Retroviren.

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Humane endogene Retroviren (HERVs) umfassen etwa neun Prozent des Genoms und sind Relikte von Keimbahninfektionen, die durch exogene Retroviren vor etwa 30 bis 40 Millionen Jahren erfolgten. Seitdem haben sich HERVs durch Retrotransposition und Reinfektion in unserem Genom vermehrt. Die Expression der HERVs wird normalerweise durch epigenetische Maßnahmen der Wirtszelle in Schranken gehalten. HERVs können jedoch durch Umwelteinflüsse wie Strahlung oder Chemikalien reaktiviert werden.

Die Epigenetik beschreibt Merkmale des Genoms, die nicht die Basenabfolge der Erbsubstanz betreffen, sondern deren chemischen Zustand in der Zelle, zum Beispiel den Methylierungsgrad oder Merkmale, die auf Unterschieden in der Chromatinumgebung beruhen. Solche Veränderungen tragen zur Aktivierung oder Inaktivierung von Genen bei. Epigenetische Merkmale sind ebenfalls vererbbar, können aber durch Umwelteinflüsse verändert werden

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Medikamente grundsätzlich auch daraufhin untersucht werden sollten, ob sie in den Zielzellen zu epigenetischen Veränderungen führen. Nicht nur endogene Retroviren, auch zelluläre Gene könnten aktiviert oder inaktiviert werden und dadurch möglicherweise schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen“, erklärte Leib-Mösch. © hil/aerzteblatt.de

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Dr. Wolfram Hofmann
am Montag, 30. Januar 2012, 11:03

Atipoxychotika können endogene Retroviren fördern

Die Nebenwirkungen von neuen Arzneimitteln werden in klinischen Prüfungen erfasst. Es ist nicht erkennbar, wo hierbei eine Lücke besteht, sodass die postulierten Wirkungen von HERVs nicht bemerkt würden.

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