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Sex für Herzpatienten selten gefährlich

Freitag, 20. Januar 2012

Houston – Der plötzliche Herztod im Liebesakt ist außerhalb der Medienwelt ein seltenes Ereignis und den meisten Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen muss nicht vor sexuellen Handlungen abgeraten werden, heißt es in einer Stellungnahme verschiedener medizinischer Fachgesellschaften in Circulation (2012; doi: 10.1161/CIR.0b013e3182447787).

Die körperliche Anstrengung bei sexuellen Handlungen ist nicht sehr hoch. Das Team Glenn Levine um Baylor College of Medicine in Houston, Texas, schätzt den Energieaufwand mit 3 bis 4 metabolischen Äquivalenten (MET) an. Das entspreche in etwa dem Treppensteigen über 2 Etagen oder einem forciertem Spaziergang.

Bei Gesunden steige die Herzfrequenz selten über 130/Minute und der systolischer Blutdruck über 170 mm Hg. Die diesbezüglichen Untersuchungen wurden allerdings bei jungen normotensiven Menschen durchgeführt. Es sei deshalb möglich, dass Sex ältere und kranke Menschen körperlich mehr herausfordere (vor allem, wenn eine kardiovaskuläre Erkrankung das Erreichen eines Höhepunktes erschwere).

Bei Koronarpatienten kommt es bei körperlicher Anstrengung zunächst zur Angina pectoris. Eine Angina d’amour ist allerdings selten. Der Anteil an allen Angina-Attacken liege bei Koronarpatienten bei unter 5 Prozent. Auch die Gefahr eines Herzinfarkts ist äußerst gering: Eine Stunde sexuelle Aktivität in der Woche sei mit 2 bis 3 zusätzlichen Infarkten auf 10.000 Personen-Jahre verbunden, schätzen die Experten. Und nur 0,6 bis 1,7 Prozent aller plötzlichen Herztodesfälle ereigne sich im Geschlechtsakt (die meisten Fälle laut Autopsieserien beim außerehelichen Verkehr von Männern mit jüngeren Frauen oder nach exzessivem Essen oder Alkoholkonsum).

Für die verschiedenen US-Kardiologenverbände und die International Society of Sexual Medicine gibt es deshalb kaum Gründe kardialen Patienten von sexuellen Aktivitäten abzuraten. Nach einem Herzkatheter könnten die Patienten bereits nach wenigen Tagen, nach einem unkomplizierten Herzinfarkt nach etwa einer Woche und nach einer Bypass-Operation (sofern die Sternotomie verheilt ist) nach 6 bis 8 Wochen wieder sexuell aktiv werden – sofern sie beschwerdefrei sind. Eine instabile Angina oder eine therapierefraktäre Angina sind Kontraindikationen für sexuelle Aktivitäten.

Bei einer Herzinsuffizienz haben die Experten keine Einwände, wenn die Patienten sich im Stadium I oder II der New York Heart Association (NYHA) befinden. Auch bei Trägern von künstlichen Herzklappen gilt: Sexuelle Aktivitäten sind unbedenklich, solange die Patienten beschwerdefrei sind. Selbst Patienten mit Vorhofflimmern oder Träger von Herzschrittmachern oder ICDs sind nach Ansicht der Experten aus der sicheren Seite, sofern die Herzrhythmusstörungen durch die Therapie korrigiert wurden und bei ICD-Trägern unter leichter körperlicher Anstrengung noch keine Entladungen ausgelöst werden.

Im Grunde zählen Kardiologen Sex zu den Aktivitäten, die die Rehabilitation fördern und weiteren Ereignissen vorbeugen kann. Deshalb wird zur Behandlung von Symptomen ermuntert, die die sexuelle Aktivität stören, wie die erektile Dysfunktion bei Männern oder die Dyspareunie bei Frauen. Beim Einsatz von PDE5 Inhibitoren wie Sildenafil müsse allerdings die Kontraindikation bei der gleichzeitigen Behandlung mit Nitraten beachtet werden © rme/aerzteblatt.de

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