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Ärzteschaft

Kommunale Krankenhäuser: Streiks abgesagt

Samstag, 21. Januar 2012

Berlin – Der für nächste Woche ange­kündigte Ärztestreik an den kommu­nalen Kranken­häusern ist abgesagt. Der Marburger Bund teilte am Samstag mit, die Große Tarifkommission habe den Eckpunkten für einen Tarifabschluss mit der Vereinigung der kommunalen Arbeit­geber­­verbände (VKA) zugestimmt. Er sieht für die rund 45.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern Gehaltserhöhungen von 2,9 Prozent ab Januar 2012 und eine Einmalzahlung von 440 Euro vor.
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Bereitschaftsdienste sollen ebenfalls mit 2,9 Prozent mehr vergütet werden. Zudem soll es für Bereitschaftsdienste ab der 97. Stunde im Monat einen Zuschlag von fünf Prozent geben. Ursprünglich hatte der Marburger Bund sechs Prozent mehr Gehalt gefordert. Die Arbeitgeber hatten ihr Angebot von zunächst 1,48 Prozent unter der Streikandrohung nun noch einmal nachgebessert.

„Das mit den kommunalen Arbeitgebern erzielte Ergebnis ist ein schwieriger, teilweise auch schmerzhafter Kompromiss“, erklärte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, am Samstag. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Insgesamt überwiegen die positiven Aspekte.“

Henke bedauerte, dass die Arbeitgeber eine tarifliche Begrenzung der Arbeitsbelastung durch Nacht- und Wochenenddienste ablehnten. „Damit hat die VKA eine große Chance vertan, mit uns gemeinsam die Attraktivität des Arbeitsplatzes Krankenhaus zu steigern“, erklärte er. Ein Schritt in diese Richtung sei aber mit der Einführung eines neuen Zuschlagsystems bei der Bereitschaftsdienstvergütung gelungen.

Am Montag stimmte auch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber dem Eckpunkten zu. „Für uns war wichtig, dass wir den vom Marburger Bund angekündigten Streik verhindern konnten – aber nicht um jeden Preis“, so der Verhandlungsführer der VKA, Joachim Finklenburg. „Der nun gefundene Kompromiss ist mit einer Erhöhung von 2,9 Prozent für 16 Monate vertretbar, dennoch liegt das Ergebnis oberhalb der von der Politik festgesetzten Steigerungsrate für die Krankenhäuser. Wir fordern von der Politik, hier zu Verbesserungen zu kommen.“
© afp/EB/aerzteblatt.de

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cyberoma
am Dienstag, 24. Januar 2012, 14:43

Ich wünsche mir auch mehr Ehrlichkeit


Antwort auf den Kommentar von doni

Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit der Ärzte in Bezug auf die Dienste.

@doni: Das Arbeitszeitgesetz und die EU-Arbeitszeitrichtlinie gelten nicht nur für Piloten und Busfahrer, sondern auch für Ärzte.

Nach 20 Stunden dienstlich bedingter Anwesenheit morgens um 4 Uhr noch operieren zu müssen ist nur möglich, weil die Tarifverträge des MB (solche) Bereitschaftsdienste zulassen.

Bereitschaftsdienste dürfen laut AZG nur angeordnet werden, wenn sie in einem Tarifvertrag grundsätzlich für zulässig erklärt worden sind.

Um sie dann auch konkret anordnen zu dürfen, müssen in der betreffenden Krankenhausabteilung bestimmte Kriterien erfüllt sein. (Näheres siehe AZG und Tarifverträge des MB)

Unsere Ärzte bzw. deren Gewerkschaft hätten es im Jahr 2006 in der Hand gehabt, Bereitschaftsdienste grundsätzlich nicht für zulässig zu erklären und auf Schichtdienstmodellen zu bestehen, oder zumindest auf sehr, sehr engen Kriterien für die Zulässigkeit von Bereitschaftsdiensten zu bestehen.

Dass dies nicht geschehen ist, liegt auch daran, dass viele unserer Ärzte zwar gerne öffentlich über ihre Dienste jammern, sich aber trotzdem während der „Streiks“ in 2006 in Diskussionen über die Inhalte der auszuhandelnden Tarifverträge mehrheitlich für das Beibehalten von Bereitschaftsdiensten mit bis zu 24stündiger Anwesenheit im Krankenhaus und gegen arbeitszeitgesetzkonforme Schichtdienstmodelle ausgesprochen haben. Weshalb das so war, wissen Sie ebenso gut wie ich und ich werde deshalb hier nicht näher darauf eingehen.

Letzten Endes hat das dazu geführt, dass in den Tarifverträgen in Bezug auf die Bereitschaftsdienste sämtliche Schlupflöcher des Arbeitszeitgesetzes maximal genutzt worden sind.

Daher bitte endlich aufhören zu jammern Es ist nicht glaubwürdig.
doni
am Dienstag, 24. Januar 2012, 11:47

Es fehlt die Ehrlichkeit, Ärzte sind keine Übermenschen

Kann mir mal jemand erklären, warum Piloten, Bus- und LKW-Fahrer vorgeschriebene Arbeitszeiten haben, für den noch sensibleren Bereich der Krankenversorgung aber dies für nicht notwendig erachtet wird? Ich wünsche jedem Politiker und sonstigen Lobbyisten eine (Not-)Behandlung/OP morgens um 4 Uhr durch einen Arzt nach 20 Stunden Dienst und maximaler Schlafzeit von 3 Std. Warum gehen unsere bestens ausgebildeten Ärzte ins Ausland? Meistens nicht um mehr zu verdienen, sondern um eine bessere Lebensqualität genießen zu können. Konsequenz: Wir sollten dringend osteuropäische Sprachen lernen um uns in Zukunft noch in den Krankenhäusern verständlich machen zu können.
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