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| dpa |
Die beiden Forschergruppen um Ron Fouchier vom Erasmus Medical Center in Rotterdam und um Yoshihiro Kawaoka von der Universität von Wisconsin in Madison hatten das rekombinante Virus an Frettchen erprobt. Sie konnten zeigen, dass das Influenzavirus H5N1, das normalerweise nur Vögel befällt, in der neuen Variante die Tiere über den Luftweg infizierte und innerhalb kurzer Zeit tötete.
Die US-Regierung war vom National Science Advisory Board for Biosecurity
(NSSAB) über die bevorstehenden Publikationen informiert worden. Sie hatte
daraufhin erfolgreich bei Science und Nature interveniert. Die Publikationen
wurden vorerst verschoben. Details, die bioterroristischen Nachahmern die
Herstellung der Superviren ermöglichen könnte, sollen aus dem Methodenteil der
Publikationen entfernt werden. Dem haben auch die Autoren zugestimmt.
In der Öffentlichkeit, die erst durch die Bedenken des NSSAB von den
Experimenten erfuhr, überwog dagegen die Sorge vor einer versehentlichen
Freisetzung des Viren durch die Forscher, die ihre Experimente nur unter den
Bedingungen der zweitobersten Sicherheitsstufe durchgeführt hatten.
Diesem doppelten Druck durch Regierung und Öffentlichkeit haben sich die beiden
Forschergruppen jetzt gebeugt. Eine Gruppe von 39 Forschern kündigte vergangenes
Wochenende an, für 60 Tage keine weiteren Experimente durchzuführen. In der
Zwischenzeit sollen Rahmenrichtlinien entwickelt werden, die festlegen, unter
welchen Bedingungen die Forschung fortgesetzt werden kann.
„Wie erkennen an, dass wir und der Rest der wissenschaftlichen Gemeinschaft die
Vorteile dieser wichtigen Forschung und die Maßnahmen erklären müssen, die zur
Minimierung der Risiken ergriffen wurden“, heißt es in dem öffentlichen Brief,
ohne dass dieser bereits Vorschläge enthält. Diese sollen im nächsten Monat auf
einer Tagung der Weltgesundheitsorganisation in Genf diskutiert werden.
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aerzteblatt.de |
Sicherer wäre ein BSL-4-Labor, das hermetisch abgeriegelt ist. Diese aufwendige
Einrichtung gibt es weder in Rotterdam noch in Madison, weshalb die
Forschergruppen diese Auflagen auch ablehnen. Sie halten die Bedenken der
Öffentlichkeit für überzogen. In der Stellungnahme ist deshalb auch nur von
einer „empfundenen Angst“ (perceived fear) die Rede.
Es haben sich jedoch bereits Forscher zu Wort gemeldet, die eine Biologische
Schutzstufe 4 für angemessen halten. Richard Ebrigh von der Rutgers Universität
des Bundesstaates New Jersey, hat gegenüber Nature bereits Bedenken angemeldet.
Der Molekularbiologe zweifelt auch am Nutzen der Studien, die nach Ansicht der
betroffenen Forschergruppen die Vorhersage der Pathogenität künftiger Epidemien
vorhersehbar machen soll.
Die US-National Institutes of Health (NIH) sind dagegen vom Nutzen der Forschung überzeugt und begrüßten deshalb das zeitlich befristete Moratorium. Die Centers for Disease Control and Prevention vertraten die Ansicht, dass die Bedingungen in BSL-3-Sicherheitslabors ausreichen, um eine Freisetzung des Virus in die Umwelt zu verhindern.
Dass 60 Tage genügen werden, um einen wissenschaftlichen Konsens zu erzielen
und darüber hinaus die Öffentlichkeit durch Informationen zu überzeugen,
erscheint wenig wahrscheinlich. Das letzte (und bisher einzige) Moratorium zur
biomedizinischen Grundlagenforschung in den USA dauerte zwei Jahre. Auf der
Asilomar Conference im Jahr 1976 konnten sich die Forscher auf einige
Grundsätze für Genexperimente (mit rekombinanten Erregern) einigen.
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