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Jod-Kontrastmittel können Schilddrüsenfunktion stören

Dienstag, 24. Januar 2012

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Boston – Der Verbrauch von jodhaltigen Kontrastmitteln hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten vervielfacht. Eine Fall-Kontroll-Studie in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 153-159) zeigt, dass es auch bei Patienten mit unauffälligen Laborwerten zu einer Störung der Schilddrüsenfunktion kommen kann. Neben einer Hyper- muss auch mit eine Hypothyreose gerechnet werden.

Jodhaltige Kontrastmittel werden heute vor allem beim Herzkatheter und bei Computertomographien eingesetzt. Eine typische Dosis enthält nach Angabe der Nephrologin Connie Rhee vom Brigham and Women's Hospital in Boston 13.500 µg freies Jodid und 15 bis 60 Gramm gebundenes Jod, das unter Umständen im Körper freigesetzt werden könne.

Die Jodflut entspreche dem 90- bis mehreren Hunderttausendfachen der empfohlenen täglichen Joddosis von 150 µg pro Tag. Auch bei Menschen mit normalen Thyrotropinwerten und ohne Hinweis auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung, ohne Schilddrüsenerkrankungen in der Vorgeschichte, keiner früheren Einnahme von Thyroxin oder anderen Therapien der Schilddrüse kann dies entweder eine Hyper- oder Hypofunktion der Schilddrüse auslösen, warnt die Forscherin.

Ihre Fall-Kontroll-Studie umfasst 178 hyperthyreotische und 213 hypothyreotische Ereignisse, die sich in den letzten zehn Jahren ereigneten. Angesichts der hohen, und in der Studie nicht genannten Zahl von Untersuchungen mit Kontrastmitteln an der renommierten Klinik dürfte das absolute Risiko minimal sein.

Die Odds Ratios von 1,87 auf eine subklinische und 2,50 auf eine symptomatische Hyperthyreose zeigen jedoch, dass ein Ereignis ausgelöst werden kann. Die Odds Ratio gibt an, wie viel häufiger das Ereignis nach einer Kontrastmitteluntersuchung auftritt im Vergleich zu euthyreoten Patienten, die kein Kontrastmittel erhielten.

Neben der Hyperthyreose (nach dem Jod-Basedow-Effekt) ist auch eine Hypothyreose möglich. Die Odds Ratio betrug in der Studie 3,05. Die Erklärung ist der Wolff-Chaikoff-Effekt: Die Jodschwemme veranlasst die Schilddrüse die Tore für die Jodaufnahme in die Schilddrüsenfollikel vorübergehend zu schließen. Werden sie später nicht rechtzeitig wieder geöffnet („Escape“), kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen.

© rme/aerzteblatt.de

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