Boston – Der Verbrauch von jodhaltigen Kontrastmitteln hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten vervielfacht. Eine Fall-Kontroll-Studie in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 153-159) zeigt, dass es auch bei Patienten mit unauffälligen Laborwerten zu einer Störung der Schilddrüsenfunktion kommen kann. Neben einer Hyper- muss auch mit eine Hypothyreose gerechnet werden.
Jodhaltige Kontrastmittel werden heute vor allem beim Herzkatheter und bei Computertomographien eingesetzt. Eine typische Dosis enthält nach Angabe der Nephrologin Connie Rhee vom Brigham and Women's Hospital in Boston 13.500 µg freies Jodid und 15 bis 60 Gramm gebundenes Jod, das unter Umständen im Körper freigesetzt werden könne.
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Ihre Fall-Kontroll-Studie umfasst 178 hyperthyreotische und 213 hypothyreotische Ereignisse, die sich in den letzten zehn Jahren ereigneten. Angesichts der hohen, und in der Studie nicht genannten Zahl von Untersuchungen mit Kontrastmitteln an der renommierten Klinik dürfte das absolute Risiko minimal sein.
Die Odds Ratios von 1,87 auf eine subklinische und 2,50 auf eine symptomatische Hyperthyreose zeigen jedoch, dass ein Ereignis ausgelöst werden kann. Die Odds Ratio gibt an, wie viel häufiger das Ereignis nach einer Kontrastmitteluntersuchung auftritt im Vergleich zu euthyreoten Patienten, die kein Kontrastmittel erhielten.
Neben der Hyperthyreose (nach dem Jod-Basedow-Effekt) ist
auch eine Hypothyreose möglich. Die Odds Ratio betrug in der Studie 3,05. Die
Erklärung ist der Wolff-Chaikoff-Effekt: Die Jodschwemme veranlasst die
Schilddrüse die Tore für die Jodaufnahme in die Schilddrüsenfollikel
vorübergehend zu schließen. Werden sie später nicht rechtzeitig wieder geöffnet
(„Escape“), kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen.
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