Politik

IGeL-Monitor stellt Selbst­zahler-Leistungen auf den Prüfstand

Mittwoch, 25. Januar 2012

Berlin – Wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu Selbstzahlerleistungen soll ein neues Internetangebot bieten und damit Versicherte über Nutzen und Schaden der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) informieren. Entwickelt hat den sogenannten IGeL-Monitor der Medizinische Dienst (MDS) des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband).

„Bei den IGeL-Leistungen geht es vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke“, sagte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands. Sie forderte eine 24-stündige Einwilligungssperrfrist, wenn Ärzte solche Leistungen anböten. Dann hätten Versicherte ausreichend Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen und frei zu entscheiden. Laut dem Spitzenverband geben die Versicherten pro Jahr rund 1,5 Milliarden Euro für IGeL aus.

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„Mit dem IGeL-Monitor wollen wir Versicherten eine Entscheidungshilfe im Umgang mit Individuellen Gesundheitsleistungen bieten, die wissenschaftlich abgesichert, verständlich und transparent ist“, sagte Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. Die Mehrzahl der IGeL schneide in den Bewertungen „nicht gut ab, einige sogar richtig schlecht. Für die Versicherten bedeutet dies, hier besonders vorsichtig zu sein“, betonte er.

Die Bewertungen des IGeL-Monitors basieren laut dem MDS auf den Methoden der evidenzbasierten Medizin (EbM). Für die Bewertung von Nutzen und Schaden einer IGeL-Leistung recherchiere das aus Medizinern und anderen EbM-Experten bestehende Team in medizinischen Datenbanken, trage die Informationen nach einer definierten Vorgehensweise zusammen und werte sie systematisch aus.

Um Versicherte bei der eigentlichen Entscheidungsfindung für oder gegen eine IGeL-Leistung zu unterstützen, wäge das IGeL-Team Nutzen und Schaden gegeneinander ab und fasse das Ergebnis in einem Gesamtfazit zusammen. „Dabei war uns wichtig, dass für jedermann nachvollziehbar ist, wie wir zu unserer Nutzen-Schaden-Bilanz kommen“, so die Projektleiterin Monika Lelgemann.

Dafür haben die Wissenschaftler alle Analyseschritte einer Bewertung in dem IGeL-Monitor dokumentiert: Von einer zusammenfassenden Bewertungsaussage, mit der die Nutzen-Schaden-Abwägung in einer von fünf Kategorien ausgedrückt wird, über eine Kurzinformation für eilige Nutzer (IGeL-Info kompakt) und eine ausführlichere Beschreibung (IGeL-Info ausführlich) bis hin zu den für ein Fachpublikum hinterlegten Ergebnissen der wissenschaftlichen Recherche und Analyse. „Je nach Informationsbedürfnis können Nutzer sich unterschiedliche Stufen erschließen“, so Lelgemann.

Versicherte erfahren außerdem, welche Leistung die gesetzlichen Krankenkassen bei den Beschwerden übernehmen, für die der Arzt ihnen die IGeL-Leistung anbietet. Außerdem erhalten sie Auskunft über die Preisspanne, zu der eine IGeL angeboten wird.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wies daraufhin, dass es durchaus sinnvolle Leistungen gebe, die aber vor dem Hintergrund knapper Ressourcen der GKV aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen herausgenommen worden seien. Dazu gehörten zum Beispiel Sportuntersuchungen, Schulatteste oder Reiseimpfungen.

„Das verschweigen die Krankenkassen aber gerne, wenn Sie, wie bei der heutigen Vorstellung des sogenannten IGeL-Monitors Ärzten unterstellen, dass es ihnen beim Einsatz Individueller Gesundheitsleistungen vorrangig um wirtschaftliche Interessen gehe“, betonte Montgomery.
© hil/aerzteblatt.de

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prawda
am Dienstag, 7. Februar 2012, 11:01

Einmaleins der Skepsis

von Gerd Gigerenzer :-)
prawda
am Dienstag, 7. Februar 2012, 10:56

Blick von außen

tut der Patientenversorgung gut. Natürlich sind die Blickwinkel unterschiedlich, je nachdem, ob man eine individuelle oder populationsbezogene Medizin betreibt. der IGeL-Monitor ist in höchstem Masse sachlich und transparent. Er fordert zum Dialog auf. Und wo Daten aus Studien fehlen, ist jeder Kollege aufgefordert, bspw. bei Screening Untersuchungen seine eigene Statistik "gesucht - gefunden - Fehlalarm" zu führen.
Die Diskussion über Sinn und Unsinn von IGeLn ist gut und richtig. Es beweist das "unermüdliche Ringen" um die bestmögliche Medizin.
"Experten", die ihre eigene Anschauung für das Mass aller Dinge halten, gibt es immer noch zu viele. Skepsis, was das eigene Wissen angeht, schützt vor Hochmut und hält lernfähig.
"Das Eimaleins der Skepsis" ist übrigens äußerst lesenswert :-)
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 31. Januar 2012, 11:14

Eingefleischte Vegetarier?

IGeL- und Selbstzahlerleistungen sind dem Spitzenverband der GKV-Kassen und seinem Medizinischen Dienst verständlicherweise ein Dorn im Auge. Denn diese weisen unmissverständlich darauf hin, dass entgegen den unverbindlichen und vagen Auskünften der Kassen-Hotlines: "Selbstverständlich m u s s Ihr Arzt a l l e s medizinisch Notwendige verordnen", in der GKV k e i n Anspruch auf optimale, umfassende und bestmögliche ärztliche Betreuung und Versorgung besteht.

Im IGeL-Monitor heißt es: "...IGeL...(sind)...medizinische Maßnahmen..., die nicht zeigen..., dass sie ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten". Aber indem der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA restriktiv über Art und Umfang der aktuellen GKV-Leistungspflicht mit Wirtschaftlichkeitsgebot nach § 12 SGB V entscheidet ("Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen"), liegt der entscheidende Sprengstoff. A l l e Leistungen j e n s e i t s des Wirtschaftlichkeitsgebotes mit Wunsch-, Zusatz- und Luxusleistungen können gerade k e i n e GKV-Leistungsinhalte sein. Dazu gehört z. B., dass der G-BA entgegen positiver Datenlage die Verordnungsfähigkeit von Blutglucose- Teststreifen bei Typ-2-Diabetikern massiv zu Lasten von Patienten und Ärzten eingeschränkt hatte.

Wenn aber der GKV-Kassenverband Lichttherapie bei saisonaler Depression und Akupunktur zur Migräneprophylaxe in seinem IGeL-Monitor als "tendenziell positiv" einschätzt, müssten diese beiden Therapien nicht längst Kassenleistungen sein? Die Meinungen des Berufsverbands der Augenärzte zur kontroversen Beurteilung der Tonometrie mit begleitender Augenuntersuchung zur Glaukomfrüherkennung sind in der Ärzte Zeitung ausführlich dokumentiert:

http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/igel/article/803019/debatte-neuen-igel-monitor-entfacht.html

Besonders perfide ist die kassenseitige Einschätzung zur sonografischen Ovarialkarzinomprophylaxe. Wohl wissend, dass diese "fünfthäufigste Krebstodesursache bei Frauen" durch "ein jährliches Abtasten ab dem 20. Lebensjahr" als GKV-Pflichtleistung überhaupt nicht rechtzeitig detektiert werden kann, wird auch noch der Unsinn verbreitet "mit Ultraschalluntersuchung sterben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs wie ohne Untersuchung". Als ob irgendeine Diagnostik und n i c h t die bisher hilflosen bis vergeblichen Therapiemöglichkeiten die extrem hohe Ovarialkarzinommortalität wesentlicher beeinflussen würden? Doch damit nicht genug, den Patientinnen wird auch noch Angst gemacht! "Frauen (werden) durch Fehlalarme häufig unnötig beunruhigt und sogar eigentlich gesunde Eierstöcke entfernt" ist, mit Verlaub, pure Demagogie angesichts einer in der Regel tödlich verlaufenden Tumorerkrankung.

Stichwort "Kunsttherapie" bei Krebs und psychischen Erkrankungen: Wie können denn derartige IGeL-Leistungen im GKV-Monitor als "unklar" bewertet werden, wenn andererseits Kunst- und übrigens auch die Musiktherapie in fast jedem Fachkrankenhaus, in REHA- und AHB-Kliniken integraler Bestandteil interdisziplinärer Behandlungskonzepte bei diesen Morbiditäten sind?

Stichwort HbA1c-Bestimmung als Prädiktor für die Manifestation eines Diabetes mellitus: "Zur Diabetes-Vorsorge wird im 'Check-up', den die gesetzlichen Krankenkassen ab dem 36. Lebensjahr bezahlen, der Zuckergehalt direkt im Blut und im Urin bestimmt" sagt der IGeL-Monitor. Jedem, der medizinisch auch nur halbwegs bei Verstand ist, muss klar sein, dass es sich bei der GKV-Leistung nur um eine Stoffwechsel-Momentaufnahme handelt; dass Glucose im Urin erst ab einer Harnschwelle von ca. 180 mg% Blutglucose nachweisbar ist; und dass der HbA1c die Berechnung des durchschnittlichen Glucosespiegels der letzten 60 Tage ermöglicht. Nicht zuletzt deshalb haben US-amerikanische und auch europäische Fachgesellschaften ein generelles HbA1c-Screening empfohlen.

Die Liste der Fehleinschätzungen im IGeL-Monitor des Spitzenverbandes der GKV-Kassen ließe sich noch fortsetzen. Mein persönliches Resümee ist, dass hier eingefleischte Vegetarier die Zubereitung von Fleischgerichten beschrieben haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
mediko
am Freitag, 27. Januar 2012, 21:10

@dr.schaetzler: glatt daneben

Eine Antwort ohne exaktes Nachsehen, ohne Substanz und an meinem Kommentar voll vorbei - schade eigentlich. Das mit dem "genauen (!) Lesen und Verstehen" sollten Sie bei sich selbst noch mal nachprüfen.
Somit bleibt es dabei: Einen Nachweis der angeblichen "Fülle von lügenfreien Unwahrheiten, Fehl- und Falschmeldungen" bleiben Sie schuldig.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 27. Januar 2012, 12:51

@ mediko und @ zuse2000

Zunächst @ mediko: Ganz ehrlich, genaues Lesen und Verstehen würde weiterhelfen. Denn das mit dem "GKK"- vs. "GKV"-Spitzenverband ist an Ihnen völlig vorbei gegangen. Und wenn ich schreibe "dass a l l e Leistungen j e n s e i t s von § 12 und § 34 SGB V mit Patientenwunsch nach optimaler, umfassender und bestmöglicher ärztlicher Betreuung und Versorgung gerade k e i n e GKV-Leistungsinhalte sein können" sind d a s explizit IGeL und Selbstzahlerleistungen. Ihre reisemedizinischen Spitzfindigkeiten überlasse ich den Lesern des DÄ. Ebenso privatärztliche Leistungen bei Verordnung und Beurteilung n i c h t erstattungsfähiger medikamentöser Therapien.

@ zuse2000 zu 1.:Gefährlich und schädlich sind z. B. wiederholte intraartikuläre Injektionen von Kortison-Kristallsuspensionen, insbesondere wenn sich konkurrierende Orthopäden nicht abstimmen. Unsinnig ist, zu gynäkologischen PAP- zusätzlich spezielle HPV-Abstriche zu machen, insbesondere wenn vorher HPV-Impfungen erfolgten. Riskant sind für kosmetische OP's ungeeignete Implantate. Überflüssig die privatärztliche Tonometrie, wenn ein klinischer Glaukomverdacht abgeklärt werden muss, oder so manche "Aufbauspritze".
Zu 2.: Da müssen Sie, bitteschön, Kammern und KVen selbst fragen.
Zu 3.: Gesamtsituation wie dargelegt unbefriedigend, weil Kassen, Politik und Medien die GKV gerne zum unlimitierten Selbstbedienungs- und Luxusversorgungsladen hochstilisieren, in dem wir dann als Ärztinnen und Ärzte Kürzungen, Ausschlüsse und Leistungseinschränkungen kommunizieren sollen.

zuse2000
am Freitag, 27. Januar 2012, 00:35

3 Fragen@dr.schaetzler:

Sie schreiben: "Ohne Wenn und Aber bin ich g e g e n IGeL und privatärztliche Zusatzleistungen, die gefährlich, schädlich, unsinnig, riskant und überflüssig sind. Darüber müssen KVen und Ärztekammern im Rahmen bestehender Gesetze wachen und regulierend eingreifen."

1. Werden aus Ihrer Kenntnis "IGeL und privatärztliche Zusatzleistungen, die gefährlich, schädlich, unsinnig, riskant und überflüssig sind" von Kolleg/innen angeboten?

2. Kennen Sie ein (mehrere) Beispiel(e) wo Kammer(n) und /oder KV(en) aufgrund von "IGeL und privatärztliche Zusatzleistungen, die gefährlich, schädlich, unsinnig, riskant und überflüssig sind" schon regulierend eingegriffen haben?

3. Halten Sie die Gesamtsituation im Hinblick auf "IGeL und privatärztliche Zusatzleistungen, die gefährlich, schädlich, unsinnig, riskant und überflüssig sind" für befriedigend oder sehen Sie Verbesserungspotential (durch was oder wen auch immer)?
mediko
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 12:56

@dr.schaetzler: Was soll die Polemik ?

Lieber Herr Kollege,
wenn Sie doch "Ohne Wenn und Aber ... g e g e n IGeL und privatärztliche Zusatzleistungen, die gefährlich, schädlich, unsinnig, riskant und überflüssig sind." sind, warum dann diese Polemik und Pseudo-Kritik ? Substanziell enthält Ihr Beitrag tatsächlich nichts, was konkret gegen den IGeL-Monitor spricht. Wenn Sie selbst IGeL so kritisch einschätzen, was bitte ist dann "perfide" daran, wenn der MDS einen Sachverhalt mit Hinweis auf das SGB V darstellt?
-- Frau Dr. Doris Pfeiffer ist auf der IGeL-Seite bzw. in der Pressemitteilung korrekt als "Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands" bezeichnet
-- Zu der Formulierung "Leistungen, die per Gesetz nicht zu den Aufgaben der GKV gehören, wie Atteste und Reiseimpfungen." schreiben Sie "Das ist definitiv falsch, da viele Kassen Reiseimpfungen komplett übernehmen." Durch Ihre Formulierung "v i e l e Kassen ..." bestätigen Sie aber den Sachverhalt, denn wenn es Leistungen "per Gesetz" wären, dann müssten sie ja a l l e Kassen übernehmen.
-- Ihre Ausführungen zu den Arzneimitteln gehören eigentlich nicht zum Thema IGeL.

Einen Nachweis der angeblichen "Fülle von lügenfreien Unwahrheiten, Fehl- und Falschmeldungen" bleiben Sie jedenfalls schuldig. Die Intention Ihres Beitrags bleibt schleierhaft.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 01:19

Alternativlos lügenfreie Unwahrheit?

"IGeL-Monitor" des GKV-Spitzenverbandes, gemeinsam mit seinem Medizinischen Dienst (MDS), publiziert nach eingehender Prüfung unter
• www.igel-monitor.de
eine Fülle von lügenfreien Unwahrheiten, Fehl- und Falschmeldungen. Damit sollen unsere haus- und fachärztlich begleiteten GKV-Patientinnen und -Patienten ausgerechnet von denen maximal verunsichert werden, die im GKV-System am w e i t e s t e n von der Versorgungsrealität in Klinik und Praxis entfernt positioniert sind. GKV-Kassen und ihr Medizinischer Dienst sollen das Sozialgesetzbuch (SGB) V verwalten und dahingehend mit Leben füllen, dass Leistungserbringer ebenso wie Versicherte im Gesundheits- und Krankheitsfall bei Untersuchung, Beratung, Diagnose, Therapie, Heilung, Linderung und Palliation flankierend unterstützt und nicht behindert werden.

Doch die Hybris beginnt schon bei der Namensgebung: Frau Dr. Doris Pfeiffer ist keineswegs Chefin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Kranken v e r s i c h e r u n g (GKV), sondern nur der K a s s e n! Die GKV setzt sich zusammen aus Versicherten, Arbeitgebern, KVen, Kliniken, MVZ, Arztpraxen, Pflege, Heil- und Hilfsmittelbereich, REHA und nicht zuletzt den Kassen. Ach ja, und die Bundes- bzw. Landesgesundheits-Gesetzgebung bestimmt schließlich, wo es prinzipiell langgeht.

Zitat aus dem "IGeL-Monitor": "IGeL sind demnach zum einen Leistungen, die per Gesetz nicht zu den Aufgaben der GKV gehören, wie Atteste und Reiseimpfungen." Das ist definitiv falsch, da viele Kassen Reiseimpfungen komplett übernehmen. Touristisch indizierte MMR-, FSME-, TDPP-, Meningokokken-, Influenza-Impfungen sind GKV-Pflichtleistungen. Die ärztliche reisemedizinische B e r a t u n g dagegen nicht.

Besonders perfide ist die Formulierung: "Zum weitaus größeren Teil sind IGeL jedoch medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie von Krankheiten, die nicht zeigen können oder nicht gezeigt haben, dass sie, wie es das Gesetz fordert, 'ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten'." Der zitierte Abschnitt aus SGB V § 12 Abs. 1 lautet unter 'Wirtschaftlichkeitsgebot' weiter:
'Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.' § 34 regelt 'Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind von der Versorgung nach § 31 ausgeschlossen', den Ausschluss medikamentöser Therapie von sogen. Bagatellerkrankungen und Reisekrankheit. Und weiter: 'Von der Versorgung sind außerdem Arzneimittel ausgeschlossen, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht.' Der "IGeL-Monitor" verschweigt, dass a l l e Leistungen j e n s e i t s von § 12 und § 34 SGB V mit Patientenwunsch nach optimaler, umfassender und bestmöglicher ärztlicher Betreuung und Versorgung gerade k e i n e GKV-Leistungsinhalte sein können.
Wenn z. B. der Kassen-Spitzenverband Lichttherapie bei saisonaler Depression und Akupunktur zur Migräneprophylaxe als "tendenziell positiv" bewertet, ist er gesetzlich verpflichtet, beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen die Übernahme in die GKV-Leistungspflicht als ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich und das Maß des Notwendigen nicht überschreitend zu beantragen.

Bitte keine Missverständnisse: Ohne Wenn und Aber bin ich g e g e n IGeL und privatärztliche Zusatzleistungen, die gefährlich, schädlich, unsinnig, riskant und überflüssig sind. Darüber müssen KVen und Ärztekammern im Rahmen bestehender Gesetze wachen und regulierend eingreifen. Denn die Gesetzlichen Krankenkassen haben mit SGB V, § 12, Absatz 3 ein Haftungsproblem:
'Hat die Krankenkasse Leistungen ohne Rechtsgrundlage oder entgegen geltendem Recht erbracht und hat ein Vorstandsmitglied hiervon gewusst oder hätte hiervon wissen müssen, hat die zuständige Aufsichtsbehörde nach Anhörung des Vorstandsmitglieds den Verwaltungsrat zu veranlassen, das Vorstandsmitglied auf Ersatz des aus der Pflichtverletzung entstandenen Schadens in Anspruch zu nehmen.'

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
skuzi12
am Mittwoch, 25. Januar 2012, 23:45

Wer glaubt, der MDK ist autonom in seinen Entscheidungen, glaubt auch an den Klapperstorch

Eine von den GKV-en finanzierte Untersuchung, duchrgeführt vom durch die GKV-en finanzierten MDK hat schon ein starkes "Geschmäckle". Die Zielvorgaben für die Untersuchung dürften von vornherein klar adjustiert gewesen sein - aber nicht objektiv, wie man durch selektive Studienauswahl durchaus nachweisen kann.
Und da IGeL eben eine-, wie der Name sagt, "individuelle" Entscheidung des Patienen dafür oder dagegen darstellt, sollten auch die Kassen den Bürgerinnen und Bürgern soviel Mündigkeit zugestehen, hier klar für sich selbst zu entscheiden.
Denn im Einzelfall hilft sowieso keine Studie wirklich weiter.
zuse2000
am Mittwoch, 25. Januar 2012, 20:27

Ob das zu den Aufgaben des MDK gehört?

...kann man sicher diskutieren. Aber wer das ganze jetzt kritisiert, sollte sich vorher gut überlegen, warum er eine solche Leistung nicht anbietet. Denn *Sinn* macht sowas allemal.
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