Berlin – Wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu Selbstzahlerleistungen soll ein neues Internetangebot bieten und damit Versicherte über Nutzen und Schaden der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) informieren. Entwickelt hat den sogenannten IGeL-Monitor der Medizinische Dienst (MDS) des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband).
„Bei den IGeL-Leistungen geht es vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke“, sagte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands. Sie forderte eine 24-stündige Einwilligungssperrfrist, wenn Ärzte solche Leistungen anböten. Dann hätten Versicherte ausreichend Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen und frei zu entscheiden. Laut dem Spitzenverband geben die Versicherten pro Jahr rund 1,5 Milliarden Euro für IGeL aus.
„Mit dem IGeL-Monitor wollen wir Versicherten eine Entscheidungshilfe im Umgang mit Individuellen Gesundheitsleistungen bieten, die wissenschaftlich abgesichert, verständlich und transparent ist“, sagte Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. Die Mehrzahl der IGeL schneide in den Bewertungen „nicht gut ab, einige sogar richtig schlecht. Für die Versicherten bedeutet dies, hier besonders vorsichtig zu sein“, betonte er.
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Um Versicherte bei der eigentlichen Entscheidungsfindung für oder gegen eine IGeL-Leistung zu unterstützen, wäge das IGeL-Team Nutzen und Schaden gegeneinander ab und fasse das Ergebnis in einem Gesamtfazit zusammen. „Dabei war uns wichtig, dass für jedermann nachvollziehbar ist, wie wir zu unserer Nutzen-Schaden-Bilanz kommen“, so die Projektleiterin Monika Lelgemann.
Dafür haben die Wissenschaftler alle Analyseschritte einer Bewertung in dem IGeL-Monitor dokumentiert: Von einer zusammenfassenden Bewertungsaussage, mit der die Nutzen-Schaden-Abwägung in einer von fünf Kategorien ausgedrückt wird, über eine Kurzinformation für eilige Nutzer (IGeL-Info kompakt) und eine ausführlichere Beschreibung (IGeL-Info ausführlich) bis hin zu den für ein Fachpublikum hinterlegten Ergebnissen der wissenschaftlichen Recherche und Analyse. „Je nach Informationsbedürfnis können Nutzer sich unterschiedliche Stufen erschließen“, so Lelgemann.
Versicherte erfahren außerdem, welche Leistung die gesetzlichen Krankenkassen bei den Beschwerden übernehmen, für die der Arzt ihnen die IGeL-Leistung anbietet. Außerdem erhalten sie Auskunft über die Preisspanne, zu der eine IGeL angeboten wird.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wies daraufhin, dass es durchaus sinnvolle Leistungen gebe, die aber vor dem Hintergrund knapper Ressourcen der GKV aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen herausgenommen worden seien. Dazu gehörten zum Beispiel Sportuntersuchungen, Schulatteste oder Reiseimpfungen.
„Das verschweigen die Krankenkassen aber gerne, wenn Sie,
wie bei der heutigen Vorstellung des sogenannten IGeL-Monitors Ärzten
unterstellen, dass es ihnen beim Einsatz Individueller Gesundheitsleistungen vorrangig
um wirtschaftliche Interessen gehe“, betonte Montgomery.
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