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| dpa |
Teams von Ärzte ohne Grenzen behandeln seit August 2011 in den Internierungszentren kriegsverletzte Gefangene. Die Mitarbeiter seien immer öfter mit Patienten konfrontiert worden, die Verletzungen als Folge von Folter während Verhören aufwiesen, so die Hilfsorganisation. Insgesamt seien dies 115 Patienten gewesen. „Einige Behördenvertreter haben zudem versucht, die medizinische Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zu instrumentalisieren oder zu behindern“, erklärte Christopher Stokes, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Belgien.
Patienten seien während der Verhöre zur Behandlung zu der Hilfsorganisation gebracht worden, um sie wieder fit für die Fortsetzung der Befragung zu machen. Das sei vollkommen inakzeptabel. „Wir sind in Misrata, um Kriegsverletzte und kranke Gefangene medizinisch zu versorgen – aber sicher nicht, um wiederholt dieselben Patienten zwischen Verhörsitzungen zu behandeln“, so der belgische Geschäftsführer.
Ärzte ohne Grenzen hat nach eigener Aussage in einem offiziellen Brief an den Militärrat von Misrata, an das Sicherheitskomitee in Misrata, an den Sicherheitsdienst der Armee und an den zivilen Stadtrat von Misrata eine sofortige Beendigung jeglicher Misshandlung von Gefangenen gefordert. „Es folgten keinerlei konkrete Maßnahmen“, sagte Stokes. Stattdessen habe das Team vier neue Fälle von Folter beobachtet. „Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, unsere medizinische Hilfe in den Gefängnissen einzustellen“, erklärte Stokes.
Die Hilfsorganisation will aber ihre psychosozialen
Aktivitäten in Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Misrata weiterführen,
ebenso die Hilfe für 3.000 afrikanische Migranten und Vertriebene in Tripolis
und Umgebung.
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