Krebs: Orale HPV-Infektion bei Männern häufiger
Freitag, 27. Januar 2012
 |
| Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer humaner Papillomviren /dpa |
Columbus – Jeder zehnte geschlechtsreife US-Amerikaner ist
oral mit humanen Papillomaviren infiziert. Die Prävalenz ist nach einer Studie
im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 10.1001/JAMA.2012.101)
dreifach höher als bei Frauen und aller Voraussicht nach für den Anstieg von
Krebserkrankungen von Mundhöhle und Rachen verantwortlich.
Während andere Kopf-Halstumoren, die typischerweise durch
Alkohol und Rauchen (oft die Kombination) ausgelöst werden, immer seltener
diagnostiziert werden, ist die Inzidenz jener oropharyngealen
Plattenepithelkarzinome (OSCC) gestiegen, die mit Infektionen des humanen
Papillomavirus (HPV) assoziiert sind. Etwa 90 Prozent dieser Tumore werden
durch den onkogenen Typ HPV-16 ausgelöst, und frühere Studien haben gezeigt,
dass eine Infektion mit HPV-16 das Risiko auf ein HPV-assoziiertes OSCC um den
Faktor 50 erhöht.
Es wurde deshalb vermutet, dass orale Infektionen mit HPV
für den Anstieg der Krebsrate verantwortlich sind, was die Untersuchung von
Maura Gillison von der Ohio State University Comprehensive Cancer Center in
Columbus jetzt bestätigt.
Die Forscherin hat die Daten der letzten Runde der National
Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) ausgewertet. In dieser
Querschnittsstudie hatten 2009/2010 mehr als 5.500 US-Amerikaner auch Proben
einer Mundspülung abgegeben. Der Nachweis von HPV-Genen fiel bei 10,1 Prozent
der Männer und bei 3,6 Prozent der Frauen im Alter von 14 bis 69 Jahren positiv
aus. Das onkogene HPV-16 wurde bei einem Prozent der Erwachsenen gefunden. Auch
hier war die Prävalenz bei Männern fünfmal höher als bei Frauen.
Die meisten Erwachsenen dürften sich über Oral-Sex infiziert
haben. Dafür spricht, dass die Prävalenz bei Personen ohne frühere
Sexualkontakte (0,9 Prozent) gering war und mit der Zahl der biografischen
Sexualpartner (auf bis über 20 Prozent) ansteigt. Ein weiterer Risikofaktor war
das Tabakrauchen, dessen Einwirkung auf die Schleimhaut möglicherweise die
Infektion begünstigt oder die Fähigkeit des Immunsystems, die Viren erfolgreich
zu bekämpfen, schwächt.
Wenn die Assoziation kausal ist, woran Gillison nicht
zweifelt, dann könnte die derzeitige Impfung mit Gardasil oder Cervarix, die
primär auf eine Prävention des Zervixkarzinoms ausgerichtet ist, mittelfristig
die Rate von oralen HPV-Infektionen senken.
Da beide Impfstoffe das onkogene HPV-16 erfassen, sollte
dann auch die Rate von HPV-assoziierten OSCC wieder sinken. Der
Gardasil-Hersteller Merck gehörte neben dem US-National Cancer Institute und
privaten Spendern zu den Sponsoren, die aber laut Gillison keinen Einfluss auf
die Studie hatten. © rme/aerzteblatt.de
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.