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Wie Pneumokokken sich vor lästigen Impfstoffen schützen

Montag, 30. Januar 2012

Oxford – Die Entwicklung von Impfstoffen gegen Pneumokokken gleicht einem Katz-Maus-Spiel. Sobald ein neuer Impfstoff auf den Markt kommt, ändern die Bakterien ihre Gestalt. Dabei kommt es sogar zum Austausch von Erbgut zwischen einzelnen Bakterien, wie eine Studie in Nature Genetics (2012; doi: 10.1038/ng.1072) zeigt.

Als der siebenfach valente Impfstoff Prevenar (PCV7) für Kinder 2000 in den USA (2001 in Europa) auf dem Markt kam, hofften die Infektiologen auf einen Rückgang der Erkrankungen. Sie befürchteten aber auch, dass der Impfstoff über kurz oder lang seine Wirkung verliert. Beide Entwicklungen sind eingetreten. Pneumomien, Meningitiden und Sepsis mit den Serotypen, vor denen PCV7 schützt, sind deutlich seltener geworden. Es kam aber auch zu einem Anstieg der Serotypen, vor denen Prevenar nicht schützt. Dies war zu erwarten, da es insgesamt 90 verschiedene Serotypen gibt.

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Der Anstieg hat zwei Gründe: Zum einen besetzen die nicht von der Impfung erfassten Serotypen die frei werdenden ökologische Nische. Zum anderen kommt es aber auch zu einem Austausch von genetischer Information zwischen den Bakterien. Dabei übernehmen die vom Impfstoff bedrohten Bakterien Gene von den nicht bedrohten Serotypen. Besonders begehrt sind die Gene für kapsuläre Merkmale, da diese bei Pneumokokken der Angriffspunkt des Immunsystems sind.

Dank der modernen Sequenziermaschinen kann diese Entwicklung heute bis auf die genetische Ebene beobachtet werden. Die Gruppe um Rory Bowden von der Universität Oxford konnte insgesamt 5 verschiedene „vaccine escape recombination“ dokumentieren.

Durch sie verwandelte sich der Serotyp 4, der Bestandteil des PCV7-Impfstoffs und deshalb von der Ausrottung bedroht war, in den Serotyp 19A, der nicht zum Impfstoff gehört. Einer der fünf Rekombinanten, P1 genant, erwies sich als besonders erfolgreich. Bowden kann zeigen, wie P1, der 2003 zuerst in New York und Connecticut auftrat, sich in den folgenden Jahren nach Westen hin (fast) über die gesamten USA ausbreitete. Heute gehört er laut Bowden zu den häufigsten Genotypen bei Geimpften. Ein weiter Genotyp, P2, hat sich im Nordosten der USA ausgebreitet, während die anderen Genotypen P3 bis P5 weniger erfolgreich sind.

In den nächsten Jahren wird sich das Leben für alle fünf Genotypen erschweren. Alle gehören zum Serotyp 19 A, der in den neuen PCV13-Impfstoff integriert wurde. Der neue Impfstoff wurde Ende 2009 auch in Europa zugelassen. Genetiker wie Bowden rechnen allerdings damit, dass die übrigen Serotypen die sich bildenden Lücken füllen werden und es durch den Austausch von Genen zur Bildung neuer Genotypen kommen könnte.
© rme/aerzteblatt.de

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