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| dpa |
Besonders gut würden die Vorsorgeuntersuchungen im Saarland angenommen, wo Eltern seit 2007 per Brief gezielt zu den Untersuchungen eingeladen würden, erklärte einer der Autoren des Arztreports, Thomas G. Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG). In Berlin und Hamburg hingegen, wo Eltern erst seit Mitte 2010 eingeladen würden, liege die Teilnahmerate zum Teil deutlich darunter.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, lobte das „ausgezeichnete Versorgungsniveau“ in der ambulanten Betreuung von Kindern. Denn klassische Kinderkrankheiten wie Windpocken, Scharlach oder Röteln hätten die Ärzte im Griff. Dafür seien neue Kinderkrankheiten wie Sprachentwicklungsstörungen, Neurodermitis und die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) entstanden.
So leiden dem Arztreport zufolge 16,8 Prozent aller zweijährigen Kinder an Neurodermitis. Diese Zahl geht jedoch bis zum 15. Lebensjahr auf 7,2 Prozent zurück. Zudem haben Ärzte bei 10,3 Prozent aller Kinder Sprachentwicklungsstörungen diagnostiziert, insgesamt bei etwa 1,12 Millionen Kindern zwischen 0 und 14 Jahren.
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„Die Sprachentwicklungsprobleme sind extrem schichtengebunden. Sie entstehen vor allem bei Kindern aus bildungsfernen Schichten und bei Kindern mit Migrationshintergrund“, sagte Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, dem Deutschen Ärzteblatt.
Ursache dafür seien keine Intelligenzdefizite, sondern eine Anregungsarmut, die auch zu Defiziten im sozialen Verhalten, in kognitiven Fähigkeiten oder zu einer Ausbildung von Adipositas führen könne. „Deshalb ist es existenziell wichtig, dass diese Kinder außerfamiliär gefördert werden, in Familienzentren zum Beispiel, vor allem aber in Kindertagesstätten“, so Fegeler.
Die Erzieher dort müssten jedoch besser qualifiziert werden, um Kinder mit Entwicklungsstörungen gezielt fördern zu können. Hier müsse die Bildungspolitik aktiv werden. „Natürlich würde es Geld kosten, in die Entwicklung dieser Kinder zu investieren, und Kitas und Familienzentren besser aufzustellen“, sagte Fegeler. Doch dafür könnten die Krankenkassen das Geld sparen, das sie heute für Heilmittelverordnungen ausgeben.
Die Ärzte seien mit ihrem Latein ohnehin am Ende. „Das einzige, was wir tun können, ist, die Kinder zum Logopäden zu überweisen“, so der bvkj-Sprecher. „Damit berühren wir aber nur die Spitze des Eisbergs. Wenn wir wirklich etwas erreichen wollen, müssen wir viel früher ansetzen und die Kinder systematisch in Kitas fördern.“
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