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Krankenkassen: Zahlungsrückstände in Milliardenhöhe

Donnerstag, 2. Februar 2012

Berlin – Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen verursachen säumige Beitragszahler einen Schaden in Milliardenhöhe. Bis Ende 2011 sei bei den Kassen ein Fehlbetrag von mehr als 1,2 Milliarden Euro aufgelaufen, bestätigte der GKV-Spitzenverband am Donnerstag in Berlin. Die privaten Krankenkassen meldeten zuletzt einen Fehlbetrag von 554 Millionen Euro.

Insbesondere Selbstständige sind den Angaben zufolge oft im Zahlungsrückstand. Bereits im August wiesen bei den gesetzlichen Krankenkassen 638.000 Konten Rückstände von mehr als einer Milliarde Euro auf. Drunter seien 530.000 Beitragskonten von freiwillig Versicherten, hieß es. Hinzu kämen 108.000 Beitragskonten von Mitgliedern, die nach der Einführung der Versicherungspflicht zum 1. April 2007 in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgekehrt waren.

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Privaten Krankenversicherungen fehlen 554 Millionen Euro
Vergangenes Wochenende war bekanntgeworden, dass bei den privaten Krankenkassen immer mehr Mitglieder keine Beiträge zahlen. Nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) gab es Ende September 2011 insgesamt 144.000 Nicht-Zahler in der privaten Krankenversicherung. Durch die säumigen Kunden fehlten den privaten Kassen rund 554 Millionen Euro.

Grund sei die Einführung der allgemeinen Pflicht zur Versicherung, sagte ein PKV-Sprecher. Durch die neue Reglung könnten private Krankenversicherungen ihren Kunden wegen Zahlungsrückständen nicht mehr kündigen.

Um dem Problem entgegenzutreten, prüft die Bundesregierung derzeit die Einführung eines sogenannten Nichtzahler-Tarifs, wie ein Sprecher des Finanzministeriums bestätigte. Zeitungsberichten zufolge könnte der Tarif bei rund 100 Euro im Monat liegen und soll auf der Leistungsseite nur akute Krankheiten oder Schwangerschaften abdecken. Die nötigen Änderungen würden derzeit vom Bundesfinanz- und Bundesjustizministerium in Abstimmung mit den Kassen vorbereitet.

SPD kritisiert Pläne zu Nichtzahlertarif
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte diese Pläne abwegig. „Es kann nicht sein, dass die Versicherungspflicht durch die Hintertür wieder abgeschafft wird”, sagte Lauterbach der Saarbrücker Zeitung vom Freitag. Ein solcher Tarif würde bedeuten, dass die Leute nur noch eine Notfallversorgung erhielten, gab er zu bedenken. Die Sanktionsmöglichkeiten der Kassen reichten völlig aus, sagte Lauterbach. „Allerdings schöpfen viele Kassen diese Möglichkeiten nicht aus, weil sie entweder kein entsprechendes Management aufgebaut haben, oder die Versicherten nicht verlieren wollen”. © dapd/aerzteblatt.de

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