Berlin – „Fortbildung ist gelebter Patientenschutz und für Ärzte eine Selbstverständlichkeit. Darauf lohnt es sich, in Zeiten politischer Debatten über die Patientenrechte in Deutschland deutlich hinzuweisen“, betonte der Vizepräsident der Bundesärztekammer (BÄK), Max Kaplan, zu Beginn des 36. Interdisziplinären Forums, dem zentralen Fortbildungskongress der BÄK. Wichtig sei dabei eine interdisziplinäre Fortbildung, bei der die Ärzte über den Tellerrand ihres eigenen Fachbereichs hinausschauten. Deshalb biete das Interdisziplinäre Forum ein möglichst breites Themenspektrum an.
„Wir wollen bei der Fortbildung auch neue Kommunikationsmedien in Form von E-Learning-Programmen oder Smartphones verstärkt nutzen“, sagte Kaplan. Die Bundesärztekammer wolle zudem fördern, dass Ärzte im Rahmen eines Peer Reviews zu Kollegen in die Praxis gingen, um gemeinsam über Qualität und Organisationsstruktur zu diskutieren.
Die Themen des Forums sind Angsterkrankungen, Umgang mit Patientenwünschen, Menschen mit Behinderungen als Patienten und alternative Therapieverfahren in der Onkologie. Das Symposium der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) befasst sich zudem mit der individualisierten Pharmakotherapie.
„Die individualisierte oder personalisierte Medizin ist ein Etikettenschwindel, der viele unterschiedliche Interessen widerspiegelt, aber nicht die der Patienten“, kritisierte der Vorsitzende der AkdÄ, Wolf-Dieter Ludwig. Vieles, was unter diesem Begriff subsumiert werde, klinge zwar attraktiv, sei aber durch klinische Studien wenig oder gar nicht belegt. Das Thema erzeuge bei den Patienten eine Erwartungshaltung, die Ärzte nicht erfüllen könnten.
Ludwig kritisierte, dass im Bereich der personalisierten
Medizin zum Teil dreistellige Millionenbeträge in die Forschung investiert
würden, während Kliniken Probleme hätten, zum Beispiel ausreichend
Sozialarbeiter oder Psychologen in der Palliativmedizin zu finanzieren. „Wir
geben enorm viel Geld aus für eine Technik, deren Nutzen wir nicht kennen, und
zu wenig dafür, was die Patienten wirklich brauchen“, so Ludwig.
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