Krebs: Norwegen will Genom-Analysen für Kliniken einführen
Donnerstag, 2. Februar 2012
Oslo – Norwegen will weltweit als erstes Lands Genom-Analysen in die Krebsdiagnostik einführen. Künftig soll jeder Arzt die Möglichkeit haben, das Genom der Krebstumoren seiner Patienten analysieren zu lassen. Ob dies derzeit sinnvoll ist, bleibt umstritten.
Wie Nature (2012; doi:10.1038/nature.2012.9949) berichtet, sollen in einer ersten Phase die Krebs-Genome von 1.000 Patienten entschlüsselt werden. Außerdem sollen weitere 3.000 archivierte Biopsien untersucht werden. In einer zweiten Phase soll dann die notwendige Infrastruktur aufgebaut werden, um die Krebsgenome von etwa 25.000 Norwegern untersuchen zu können, die jährlich neu an Krebs erkranken.
Das Projekt wird Nature zufolge von dem Genetiker Ola Myklebost von der Universitätsklinik in Oslo geleitet. Zunächst sollen pro Patient und Tumor nur etwa 1000 Gene analysiert werden. Später soll die Analyse auf alle 20.000 Gene ausgeweitet werden, die im menschlichen Erbgut Proteine kodieren.
Abweichungen in den Krebsgenen könnten auf mögliche Angriffspunkte in der Krebstherapie hinweisen. Die Zahl der nachgewiesenen Genmutationen, die die therapeutischen Entscheidungen derzeit beeinflussen kann, ist allerdings gering. Leif Ellisen, ein Genetiker des Massachusetts General Hospital in Boston, bezweifelte deshalb gegenüber Nature, ob komplette Genom-Analysen derzeit sinnvoll sind. Seine Klinik entwickelt gerade einen Test auf 15 Gene, die den Einsatz existierender Medikamente beeinflussen.
Die Experten sind sich aber einig: Früher oder später wird die Genom-Analyse Einzug in die klinische Routine-Diagnostik nehmen. Ärzte werden dann die Gewebeproben ihrer Patienten nicht mehr (nur) an den Pathologen schicken, sondern an ein Genom-Labor. Dort werden dann Sequenzierautomaten nach Hinweisen auf genetische Schwachstellen des Tumors suchen, die in der Therapie ausgenutzt werden könnten. © rme/aerzteblatt.de
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