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Diabetes: Blutzucker bei Befruchtung bestimmt Fehlbildungsrisiko

Montag, 6. Februar 2012

Newcastle upon Tyne – Eine perikonzeptionelle Hyperglykämie könnte der wichtigste modifizierbare Risikofaktor für Fehlbildungen bei Kindern von Diabetikerinnen sein. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie in Diabetologica (2012; doi: 10.1007/s00125-012-2455-y).

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Es ist bekannt, dass ein Diabetes mellitus der Mutter das Fehlbildungsrisiko des Kindes deutlich erhöht. In der bevölkerungsbasierten Kohorte, die Ruth Bell, Universität Newcastle upon Tyne, jetzt vorstellt, gebar jede 13. Diabetikerin ein Kind mit einer angeborenen Fehlbildung. Das Risiko war damit 3,8-fach höher als bei den Kindern von Nicht-Diabetikerinnen. Schwangere mit Gestationsdiabetes waren von der Studie übrigens ausgeschlossen, so dass das Risiko nicht einfach auf die Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft zurückgeführt werden kann.

Eine Besonderheit der Kohorte war, dass die Blutzuckerwerte der Diabetikerinnen vor der Schwangerschaft und damit auch zum Zeitpunkt der Konzeption bekannt waren. Hier gab es eine annähernd lineare Korrelation: Bei einem HbA1c der Mutter von 6,1 Prozent (für Diabetologen ein Idealwert) wurde nur bei einem von 34 Kindern eine Fehlbildung festgestellt.

Die Rate stieg auf 1 zu 26 bei einem HbA1c von 7 Prozent (diabetologisch o.k.), auf 1 zu 17 bei einem HbA1c von 8 Prozent (bedenklich) und auf 1 zu 12 bei einem HbA1c von 9 Prozent (nicht akzeptabel). Bei einem HbA1c der Mutter von 10 Prozent hatte jedes neunte Kind eine Fehlbildung. Pro Prozentpunkt auf der HbA1c -Skala steige das Risiko um 30 Prozent, schreibt Bell.

Diese Daten lassen vermuten, dass eine bessere Blutzuckereinstellung vor der Schwangerschaft (und damit auch während der Konzeption) das Fehlbildungsrisiko deutlich senken könnte – auch wenn eine Kohortenstudie dies streng genommen nicht beweisen kann. Eine völlige Normalisierung ist vielleicht nicht möglich, da die Studie auch einen wichtigen nicht-modifizierbaren Risikofaktor aufdeckt: Eine Nephropathie erhöhte mit einer adjustierten Odds Ratio von 2,5 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1-5,3) das Risiko von Fehlbildungen beim Kind deutlich.

Da die Nephropathie zu den Spätkomplikationen des Diabetes mellitus gehört, könnte eine langfristige gute Blutzuckereinstellung sich allerdings auch in diesem Punkt günstig auf die Risikokonstellation des Nachwuchses auswirken.

Ein Risiko besteht nicht nur für die Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes mellitus. Auch der Typ-2-Diabetes mellitus war in der Studie mit einer erhöhten Fehlbildungsrate assoziiert. Ein Typ-2-Diabetes mellitus einer Schwangeren wird immer häufiger gesehen, da das Alter der Mütter bei der Schwangerschaft steigt und das Erkrankungsalter beim Typ-2-Diabetes mellitus sinkt. In den Kohorten aus dem Norden Englands lag der Anteil des Typ-2-Diabetes mellitus an allen präkonzeptionellen Diabeteserkrankungen bei 21 Prozent.
© rme/aerzteblatt.de

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