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Keine Anhaltspunkte für chronischen Botulismus beim Menschen

Mittwoch, 8. Februar 2012

Berlin – Die Übertragung des beim Rind seit zehn Jahren kontrovers diskutierten „chronischen Botulismus“ auf den Menschen ist nicht nachgewiesen. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mitgeteilt. Anlass der Stellungnahme ist, dass das Robert Koch-Institut letzter Zeit vermehrte Anfragen zu „chronischem Botulismus“ beim Menschen erhalten habe. Danach sollen Menschen, die in landwirtschaftlichen Betrieben in Schleswig-Holstein und in Sachsen engen Kontakt zu an „chronischem Botulismus“ erkrankten Rindern hatten, ähnliche neurologische Symptome wie die erkrankten Rinder aufweisen.

In einer 2009 veröffentlichten Übersichtsarbeit von Dressler et al. in der Zeitschrift „Fortschritte der Neurologie Psychiatrie“ (2009; 77, Suppl. 1.) berichten die Autoren von vier Personen, die in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schleswig-Holstein gearbeitet hatten, dessen Rinderbestand von „chronischem Botulismus“ betroffen gewesen sei.

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Die Autoren diagnostizierten anhand der Symptome und bei Fehlen anderer Ursachen erstmals das Vorliegen eines „chronischen Botulismus“ beim Menschen und sprechen von einem „neuen Krankheitsbild“. Als mögliche Ursache der Symptome nennen sie entweder eine intestinale Besiedlung mit dem Botulinum-Toxin(BT)-produzierenden Bakterium Clostridium botulinum oder eine „kontinuierliche exogene Zufuhr von BT“.

Die DGN betont dagegen, dass bisher in keinem Fall ein „humaner chronischer Botulismus“ durch eine Erregerübertragung belegt ist. „Es wurden Analogien aus der Veterinärmedizin zur Humanmedizin gezogen, wenngleich in unabhängigen stichprobenartigen Stuhluntersuchungen der beiden humanen Patienten in verschiedenen Laboren, unter anderem im Robert Koch-Institut, kein Hinweis auf Botulinum-Neurotoxin oder das Bakterium Clostridium botulinum im Stuhl gefunden wurde“, kommentiert der federführende Autor des Kapitels „Botulismus“ der fünften Auflage der DGN-Leitlinien, Erich Schmutzhard von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck.

Derzeit seien wesentliche Kriterien für einen kausalen Zusammenhang zwischen dem postulierten Krankheitsbild und einer Toxiko-Infektion aufgrund einer Besiedlung mit Clostridium botulinum oder einer kontinuierlichen exogenen Zufuhr von BT nicht erfüllt. „Ob das Krankheitsbild des ‚chronischen Botulismus‘, das in der Veterinärmedizin seit mehr als zehn Jahren kontrovers diskutiert wird, auch bei Menschen, die in der Landwirtschaft in engem Rinder- beziehungsweise Tierkontakt stehen, tatsächlich existiert und damit eine gesundheitspolitische Relevanz hat, ist derzeit noch nicht bekannt“, so das Fazit der Fachgesellschaft. © hil/aerzteblatt.de

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