Kindesmissbrauch: US-Forscher schlagen Alarm
Mittwoch, 8. Februar 2012
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| dpa |
New Haven – Die Fallzahlen von Kindesmisshandlungen in
den USA haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen und sind nach der Meinung
von Wissenschaftlern alarmierend. Mit 300 unter 4.500 Missbrauchsfällen
verstorbenen Kindern sei diese Mortalität sogar höher als die des plötzlichen
Kindstodes.
Das geht aus einer wissenschaftlichen Arbeit der Yale
School of Medicine unter der Leitung von John Leventhal hervor. Nach eigenen
Angaben ist diese Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Journals Pediatrics
(doi: 10.1542/peds.2011-1277) erscheint, die erste ihrer Art, die
quantifiziert, wie viele Kinder wegen Missbrauchs schwer verletzt sind und
deswegen stationär behandelt werden müssen.
Dazu analysierten die Forscher die Daten der Kids
Inpatient Database (KID) des Gesundheitsministeriums der Vereinigten Staaten,
die sämtliche Informationen zu stationär behandelten Kindern in den USA
enthält.
Dabei fokussierten sie auf alle Krankheitsfälle, die mit
einer Misshandlung von Kindern unter 18 Jahren ursächlich im Zusammenhang
standen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass von den 4.569 im Jahre 2006 wegen
Kindesmissbrauch stationär behandelten Kindern 300 an den jeweiligen Folgen ihrer
Verletzungen gestorben sind.
Besonders Kinder im ersten Lebensjahr sind einem erhöhten
Risiko ausgesetzt, wegen Misshandlungen in ein Krankenhaus aufgenommen zu
werden. Von 100.000 Säuglingen mussten in den USA 58,2 innerhalb ihrer ersten
zwölf Lebensmonate wegen Missbrauchs behandelt werden.
Diese Zahl erhöhte sich unter Kindern, die von dem
Gesundheitsfürsorgeprogramm „Medicaid“ zusätzlich unterstützt werden, sogar um
mehr als das Doppelte. So wurden unter den von dieser Maßnahme betroffenen,
meist sozial benachteiligten und ärmeren Familien, 133,1 auf 100.000 Kindern
misshandelt und müssen medizinisch versorgt werden.
Die Autoren halten ihre Ergebnisse für alarmierend, vor
allem den Anteil der misshandelten Kinder in ärmeren Familien. Ihre Studien
zeigten, dass Armut und soziale Belange bedeutende Risikofaktoren für den
Missbrauch bei Kindern darstellen.
Nun müssten weiterhin regelmäßige Analysen folgen, die
auch die aktuellen Hospitalisationsraten aus der Kids Inpatient Database
beinhalten, resümiert Leventhal. Damit könne man in Zukunft Entwicklungen über
eine längere Zeit beobachten, Tendenzen festhalten und schließlich auch
präventive Maßnahmen gegen Kindesmisshandlungen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit
beurteilen. © hil/aerzteblatt.de
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