Desinfektion des Nabels senkt Säuglingssterblichkeit
Mittwoch, 8. Februar 2012
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| dpa |
Karachi/Dhaka – Die Desinfektion des Nabels mit Chlorhexidin
hat in zwei randomisierten Studien aus Pakistan und Bangladesh Omphalitiden
verhindert und die Neugeborenensterblichkeit gesenkt. Die einfache Maßnahme
könnte nach Berechnungen der Autoren jedes Jahr eine halbe Million Todesfälle
verhindern.
Weltweit 3,3 Millionen Kinder sterben innerhalb der ersten
vier Lebenswochen. Davon entfallen mehr als 99 Prozent auf Länder mit niedrigem
Einkommen, in denen die Frauen in der Regel zuhause und unter schlechten
hygienischen Verhältnissen gebären. Infektionen sind die wichtigste
Todesursache und das abgeschnittene Ende der Nabelschnur oder die Wunde am
Bauchnabel sind die wichtigsten Eintrittspforten der Erreger.
Vor fünf Jahren hatten Forscher der Bloomberg School of
Public Health in Boston in einer Studie in Nepal gezeigt, dass die Desinfektion
mit 4 Prozent Chlorhexidin die Rate der Omphalitiden im Vergleich zu einer
trockenen Wundversorgung um 75 Prozent senkt. Auch die neonatale Sterblichkeit
sank signifikant um 33 Prozent, wenn die Behandlung innerhalb der ersten 24
Stunden nach der Geburt durchgeführt wurde (Lancet 2006; 367: 910-918).
Jetzt liegen die Ergebnisse von zwei größeren Folgestudien
vor, in denen untersucht wurde, ob die Ausweitung der Nabeldesinfektion die
Ergebnisse weiter verbessern kann. Shams El Arifeen vom International Centre
for Diarrhoeal Disease Research, Bangladesh (ICDDR,B) in Dhaka und Mitarbeiter
haben die einmalige Desinfektion der Nabelwunde mit einer mehrmaligen Anwendung
in den ersten sieben Tagen untersucht (Lancet 2012; doi:
10.1016/S0140-6736(11)61848-5).
Überraschenderweise war die neonatale Sterblichkeit nach der
einmaligen Anwendung am niedrigsten, obwohl die mehrmalige Anwendung die Rate
der Infektionen besser gesenkt hatte. Das ist zwar kontraintuitiv, der
Editorialist David Osrin vom Institute for Global Health, London, meint aber,
dass eine einmalige Desinfektion mit 4 Prozent Chlorhexidin ausreichen könnte.
Gegenüber der trockenen Wundbehandlung wurde die neonatale Sterblichkeit
signifikant um 20 Prozent gesenkt (relatives Risiko RR 0,80;
95-Prozent-Konfidenzintervall 0,65-0,98).
In der zweiten Studie können Sajid Soofi von der Aga Khan
Universität in Karachi und Mitarbeiter zeigen, dass die Anwendung von 4 Prozent
Chlorhexidin die neonatale Sterblichkeit besser senkt als tägliche Waschungen
mit Seife (Lancet 2012 DOI:10.1016/S0140-6736(11)61877-1). Gegenüber einer
trockenen Wundbehandlung war die neonatale Sterblichkeit um 38 Prozent
niedriger (RR 0,62; 0,45-0,85).
Die Besonderheit dieser Studie war die Einbindung der vor Ort
tätigen Hebammen, was die flächendeckende Umsetzung dieser einfachen und
kostengünstigen Prophylaxe erleichtern könnte, wie der Osrin anmerkt. An den
Vorteilen der Desinfektion könne es nach drei erfolgreichen Tests in Nepal,
Pakistan und Bangladesh keinen Zweifel geben. © rme/aerzteblatt.de
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