Parkinson: Tai-Chi verbessert Balance und vermeidet Stürze
Donnerstag, 9. Februar 2012
dapd
Eugene – Tai-Chi kann Patienten mit Morbus Parkinson zu
einem verbesserten Gleichgewicht verhelfen und Stürze vermeiden. In einer
vergleichenden Studie im New England Journal of Medicine (2012; 366: 511-519)
wurden mit einer Variante der traditionellen chinesischen Bewegungslehre
bessere Ergebnisse erzielt als mit einem Krafttraining, einer in der
Physiotherapie vorherrschenden Methode.
Tai-Chi, eigentlich eine alte Kampfkunst, verbindet
harmonische Bewegungen des Körpers mit einer Meditation des Geistes. Lange als
exotische, wenn nicht gar esoterische Außenseitermethode abgetan, haben
Mediziner in den letzten Jahren die therapeutischen Potentiale entdeckt, die
sich aus den langsamen, fließenden Bewegungen des Körpers ergeben, die in einer
ruhigen und entspannten Umgebung absolviert werden. Zahlreiche Studien zur
Linderung von chronischen psychischen Leiden wie Depressionen oder körperlichen
Erkrankungen wie Fibromyalgie oder Arthritis wurden in den letzten Jahren veröffentlicht.
Das Oregon Research Institute (ORI) in Eugene im US-Staat
Oregon hat in den letzten Jahren ausführlich die Möglichkeiten von
Tai-Chi-Übungen beim Morbus Parkinson ausgelotet. Die progrediente Erkrankung
führt zu einer fortschreitenden Einschränkung von Beweglichkeit und
Gleichgewichtssinn, was häufig Stürze zur Folge hat, die die Morbidität der
Patienten zusätzlich erhöhen. Eine Physiotherapie gehört deshalb zu den
therapeutischen Optionen. Sie setzt vor allem auf die Stärkung der Muskelkraft.
Dies soll dem Patienten helfen, sich auf den Beinen zu halten und solange wie
möglich am sozialen Leben teilzunehmen.
Die Gruppe um Fuzhong Li hat diese traditionelle
Physiotherapie jetzt erstmals in einer größeren Studie mit Tai-Chi verglichen.
An der Studie nahmen 195 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Ausprägung
der Erkrankung teil. Zwei Drittel befanden sich im Stadium I oder II auf der
Hoehn and Yahr-Skala, in der noch keine oder nur geringe Störungen des
Gleichgewichts vorliegen.
Die Teilnehmer wurden auf drei Gruppen randomisiert. Die
erste Gruppe traf sich zweimal wöchentlich zu einer Tai-Chi-Stunde. Die
Parkinsonpatienten lernten dort einige symmetrische und diagonale Bewegungen,
bei denen sie Arme und Beine heben und das Gleichgewicht austarieren mussten.
Die zweite Gruppe absolvierte ein krankengymnastisches Krafttraining, in der
dritten wurden nur Dehnungsübungen durchgeführt. Letztere sind beim Morbus
Parkinson ohne therapeutischen Wert.
Es handelte sich um eine Kontrollgruppe, die den Einfluss
der sozialen Interaktion beim Gruppentraining auffangen sollte. Hier kam es
denn auch über im Verlauf der sechsmonatigen Therapie kaum zu Veränderungen.
Viele Parameter der Beweglichkeit verschlechterten sich, wie dies beim progredienten
Verlauf der Erkrankung nicht anders zu erwarten war.
Das Krafttraining zeigte Wirkung, doch die Tai-Chi-Gruppe
erzielte fast überall die besseren Ergebnisse. In der dynamischen
Posturographie, dem primären Endpunkt, zeigten die Patienten die größere Bewegungsfreiheit,
bevor sie an die Grenzen ihres Gleichgewichts kamen.
Sie waren auch besser in der Lage, eine vorgegebene Bewegung
durchzuführen. Außerdem konnten sie sich tendenziell schneller aus einem Stuhl
erheben. Schließlich kam es zu zwei Drittel seltener zu Stürzen, was zeigen
mag, dass ihnen der verbesserte Gleichgewichtssinn auch im Alltagsleben genutzt
hat.
Neuss – Parkinson ist nach Einschätzung der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) dabei, in Deutschland zur Volkskrankheit zu werden. Derzeit litten rund 280.000 Bundesbürger an der Erkrankung des...
Berlin – Eine Stammzelltherapie gegen die Parkinson-Erkrankung gibt es bislang nicht – auch wenn Privatkliniken im Ausland diese immer wieder anbieten. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für...
New York – Das Phytopharmakon Cogane, auf das auch in Deutschland viele Parkinson-Patienten ihre Hoffnungen gesetzt haben, hat in einer Phase-II-Studie das Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung nicht...
Kiel – Die tiefe Hirnstimulation, die bislang auf das Spätstadium der Parkinson-Krankheit beschränkt war, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2013; 368:610-622)...
Philadelphia – Neue Studien zeigen, dass sich die pathologischen Proteine bei Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen im Gehirn von Zelle zu Zelle ausbreiten...
Scottsdale – Die Diagnose eines Morbus Parkinson könnte künftig durch eine Biopsie der Glandula submandibularis bestätigt werden. US-Neurologen haben in der Unterkieferspeicheldrüse die gleichen...
Philadelphia – Die unter der Therapie mit Dopamin-Agonisten berichteten, oft bizarren Folgen einer verminderten Impulskontrolle, treten beim unbehandelten Morbus Parkinson nicht auf. Dies kam in einer...
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.