Kassen drängen auf neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff
Freitag, 10. Februar 2012
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| dpa |
Berlin – Um die Betreuung von Demenzkranken zu verbessern,
haben die Kassen erneut einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff angemahnt.
Dieser müsse „so kurzfristig wie möglich umgesetzt werden“, erklärte Heinz
Kaltenbach, Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes, heute in Berlin im Vorfeld
einer Anhörung im Bundesgesundheitsministerium. Die Vorarbeiten dazu seien mit
den seit 2009 vorliegenden Vorschlägen einer Expertenkommission längst
abgeschlossen. Statt die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes
weiterhin auf unbestimmte Zeit zu verschieben, müsse es „zumindest einen
verbindlichen Zeitplan" geben, forderte Kaltenbach.
Auch die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer forderte
eine Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs . Die derzeitigen
Pflegestufen dürften die Demenz gar nicht berücksichtigen, weil sie
ausschließlich auf körperliche Gebrechen ausgerichtet seien, sagte die
CSU-Politikerin gestern in der ZDF-Sendung Maybrit Illner.
Der Chef des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann, sagte der
Welt vom Freitag, warum
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den drei Jahre alten Vorschlag der
Expertenkommission bisher nicht aufgegriffen habe, „bleibt im Dunkeln“. Mit der
geplanten Pflegereform seien zwar Verbesserungen für Demenzkranke und pflegende
Angehörige geplant. „Aber der große Wurf, auf den viele Kranke und Angehörige
in Deutschland gewartet haben, ist es nicht geworden“, sagte Graalmann.
Demenzkranke und ihre Angehörigen sollen nach den Plänen von
Bahr ab dem kommenden Jahr mehr Geld aus der Pflegeversicherung erhalten.
Finanziert werden die neuen Leistungen durch die ab dem 1. Januar 2013
vorgesehene Erhöhung des Pflegebeitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte. Von den
höheren Leistungen sollen laut Bahr rund 500.000 Pflegebedürftige und ihre
Angehörigen profitieren. Parallel dazu soll eine Expertenkommission einen neuen
Pflegebedürftigkeitsbegriff erarbeiten. Nach Angaben aus Kassenkreisen soll der
Beirat am 1. März erstmals zusammentreten.
Bisher erhalten Demenzkranke keine angemessenen Leistungen
aus der Pflegeversicherung, weil dort lediglich körperliche Gebrechen
berücksichtigt werden und nicht der Grad der Hilfebedürftigkeit bei
alltäglichen Verrichtungen wie Einkaufen oder Kochen. Experten fordern daher
seit Jahren eine Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs.
Bereits im Jahr 2009 hatte ein von der damaligen
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingesetzter Pflegebeirat Empfehlungen
zu dem neuen Pflegebegriff vorgelegt, der neben dem Maß an Selbstständigkeit
und der sozialen Kompetenz unter anderem auch psychische Probleme wie
Ängstlichkeit oder Panikattacken als Begutachtungskriterien berücksichtigt. Die
Empfehlungen wurden von der damaligen schwarz-roten Koalition aber nicht mehr
umgesetzt. afp/dapd © dapd/afp/aerzteblatt.de
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