Rheumamedikament verhindert Augen- und Ohrenschädigung bei Cinca-Syndrom
Montag, 13. Februar 2012
Bethesda – Das Rheumamittel Anakinra, das den Rezeptor des
Zytokins Interleukin 1 blockiert, kann Menschen mit Cinca-Syndrom langfristig
vor neurologischen Schäden bewahren. Am US-National Institute of Arthritis and
Musculoskeletal and Skin Diseases (NIAMS) wird eine Gruppe von Patienten
bereits bis zu 5 Jahre erfolgreich behandelt. Die neuesten Ergebnisse wurden
jetzt in Arthritis & Rheumatism (2012; doi: 10.1002/art.34409) vorgestellt.
Das Chronisch-infantile neuro-kutaneo-artikuläre (CINCA)
Syndrom ist selten. Es dürfte aber weltweit mehr als 100 Patienten geben, die
das Orphanet angibt. Allein am NIAMS in Bethesda werden 26 Patienten mit NOMID
(für neonatal-onset multisystem inflammatory disease) behandelt, wie die
Erkrankung auch genannt wird.
Die Kinder kommen häufig mit einem urtikaria-artigen
Hautausschlag zur Welt, der sich bei den anderen in den ersten Wochen
einstellt. Er ist Ausdruck einer systemischen Überaktivität des Immunsystems,
die mit einem Proteinkomplex in Abwehrzellen in Verbindung steht, den die
Forschung als Inflammosom bezeichnet. Zu den aktivierten Zytokinen gehört
Interleukin 1, was die Therapieversuche mit Anakinra erklärt.
Anakinra soll nicht nur das Exanthem lindern, das vermutlich
die geringste Störung ist. Schlimmer ist, dass die Entzündung auf Knochen und
Gelenke übergreift sowie auf das Gehirn. Eine Meningitis kann bleibende Schäden
in der kognitiven Entwicklung hinterlassen. Zu den Behinderungen gehören auch
eine zunehmende Innenohrschwerhörigkeit und entzündliche Augenveränderungen.
Gefürchtet ist hier die Opticusneuritis, die zur Erblindung führen kann.
Gerade diese ZNS-Komplikationen scheinen jedoch auf die
Behandlung mit dem extrem teuren Präparat (Kosten von Kineret für N3 in
Deutschland 1.000 Euro pro Monat) gut anzusprechen. Wie die Gruppe um Raphaela
Goldbach-Mansky vom NIAMS jetzt berichtet, hat sich die Hörfähigkeit bei den
meisten Patienten stabilisiert oder leicht verbessert.
Auch die Sehschärfe und die periphere Sehleistung seien
stabil. Bei vielen Patienten wurde allerdings eine Erhöhung der Dosis
erforderlich. Die Patienten werden seit 36 bis 60 Monaten behandelt, ohne dass
sich bisher schwere Komplikationen eingestellt haben. Da das Medikament ein für
die Immunabwehr wichtiges Zytokin ausschaltet, muss langfristig aber mit dem
Auftreten schwerer Infektionen gerechnet werden.
© rme/aerzteblatt.de
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