Medizin

Herzinfarkt: Kardiale Stammzellen verkleinern Infarktnarbe

Dienstag, 14. Februar 2012

Los Angeles – Die intrakoronare Infusion von Stammzellen, die zuvor aus einer Myokardbiopsie gewonnen wurden, hat in einer Phase-I-Studie die Narbenzone nach einem Herzinfarkt deutlich verkleinert. Eine sichere Verbesserung der Herzfunktion konnte in der Proof-of-Principle-Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60195-0) allerdings nicht dokumentiert werden.

Seit mehr als einem Jahrzehnt bemüht sich die Forschung, die abgestorbenen Areale, die ein Herzinfarkt hinterlässt, mit Hilfe von Stammzellen zu erneuern. In den ersten Studien wurden Myoblasten aus der Skelettmuskulatur oder Knochenmarkzellen eingesetzt. Ein Durchbruch wurde damit (noch?) nicht erzielt.

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Heute versuchen es viele Zentren mit mesenchymalen Stammzellen oder, wie die Gruppe um Eduardo Marbán vom Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles, mit sogenannten Cardiosphären, die im Labor aus den Herzmuskelzellen des Patienten gezüchtet werden. Für diese Therapie wird den Patienten in den ersten Tagen nach dem Herzinfarkt aus dem gesunden Herzen eine kleine Biopsie (etwa 250 mg oder die halbe Größe einer Rosine) entnommen.

Diese Gewebeprobe wird dann im Labor zerkleinert und nach einer von Marbán und seiner früheren Wirkungsstätte (Johns Hopkins Hospital in Baltimore) patentierten Methode kultiviert. Die Stammzellen, Marbán schätzt ihre Zahl auf bis zu 25 Millionen, formieren sich dabei zu kleinen Zellklumpen, Cardiosphären genannt, die den Patienten über einen konventionellen Herzkatheter in die Abschnitte jener Koronarie injiziert werden, die das abgestorbene Herzareal versorgt.

In der „CArdiosphere-Derived aUtologous stem CElls to reverse ventricUlar dySfunction“ oder CADUCEUS-Studie (Caduceus ist der Hermesstab) wurde die Therapie an 25 Patienten erprobt, deren Herzinfarkt nicht länger als 4 Wochen zurücklag. Die Patienten hatten trotz einer perkutanen koronaren Intervention eine eingeschränkte linksventrikuläre Auswurffraktion von 25 bis 45 Prozent des Normalwertes. Die betroffene Koronarie war jedoch durchgängig. Von den 25 Patienten erhielten 17 eine Stammzelltherapie, die anderen 8 wurden konventionell behandelt.

Primärer Endpunkt einer Phase-I-Studie ist immer die Sicherheit einer neuen Therapie. Laut Marbán kam es weder zu Todesfällen noch zu einem Anstieg von kardialen Komplikationen. Die Behandlung mit den Cardiosphären erscheint demnach sicher zu sein. Selbstverständlich suchen die Forscher in einer Proof-of-Principle-Studie immer auch nach Hinweisen auf die erwünschte Wirkung.

Marbán erkennt sie in einer Reduktion der Infarktnarbe, die mittels Kernspintomographie vor der Therapie und sechs Monate später vermessen wurde. Laut Marbán hat die Stammzelltherapie das Infarktareal von 24 Prozent der Herzmasse auf 12 Prozent halbiert. Die Studie war allerdings nicht verblindet, so dass sich ein Bias bei der Auswertung der kernspintomographischen Bilder nicht ganz ausschließen lässt.

Wenn der Muskel tatsächlich wieder von funktionsfähigem Myokard ersetzt würde, wie dies die Forscher in vorausgegangenen Tierexperimenten beschrieben haben, dann sollte die Therapie auch zu einer Verbesserung der Herzfunktion führen. Es wurde jedoch nur eine minimale Steigerung der linksventrikulären Auswurffraktion (im Bereich von einem Prozentpunkt) gefunden. Auch die enddiastolischen und endsystolischen Volumina wurden nur geringfügig gesenkt, was eine Verbesserung der Herzfunktion anzeigt.

Da die Unterschiede zudem das Signifikanzniveau verfehlten (was aber auch an der kleinen Fallzahl gelegen haben könnte), lässt die Studie derzeit keine Aussage über den klinischen Wert der Stammzelltherapie zu. Fest steht nur, dass die klinischen Experimente mit der Stammzelltherapie fortgesetzt werden.

Im November letzten Jahres wurden die ersten großen Studien mit mehreren tausend Patienten (allerdings noch mit Verwendung von Knochenmarkzellen) angekündigt, von denen definitive Aussagen über die Wirksamkeit der Stammzelltherapie erwartet werden. © rme/aerzteblatt.de

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