7.834 News Medizin

Medizin

Feinstaub: Schlaganfall und kognitiver Abbau im Alter

Dienstag, 14. Februar 2012

Providence – Der Feinstaub, der bei der Verbrennung fossiler Energieträger an die Luft abgegeben wird, schädigt nicht nur die Lunge. Eine Studie in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 229-234) zeigt, dass schon bei niedriger Exposition die Rate von Schlaganfällen ansteigt. Eine weitere Studie (2012; 173: 235-236) bringt die Luftverschmutzung mit einem beschleunigten kognitivem Abbau im Alter in Verbindung.

Die Umweltstation der Harvard School of Public Health in Boston bestimmt kontinuierlich den Ruß- und Feinstaubgehalt der Luft. Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenmonoxid und Ozon werden stündlich und die Sulfatpartikel einmal täglich gemessen. Gregory Wellenius von der Brown University in Providence/Rhode Island hat die detaillierten Aufzeichnungen mit den Hospitalisierungen aufgrund von Schlaganfällen im benachbarten Beth Israel Deaconess Medical Center in Verbindung gesetzt. Dabei wurde die Analyse auf neurologisch bestätigte ischämische Schlaganfälle von Patienten beschränkt, die im Umkreis von weniger als 40 Kilometer der Klinik (und der Messstation) wohnen.

Die Analyse der Daten über einen Zeitraum von zehn Jahren lässt wenig Zweifel daran, dass eine erhöhte Feinstaubkonzentration (PM<2,5) ein Trigger von Schlaganfällen ist. Eine moderate Exposition mit 15-40 µg/m3 war mit einem Anstieg der Klinikbehandlungen aufgrund eines ischämischen Schlaganfalls um 34 Prozent verbunden (Odds Ratio OR 1,34; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13-1,58).

Anzeige

Selbst für niedrigere Werte, die von der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) als unbedenklich eingestuft wurden, konnte ein tendenzieller Anstieg der Schlaganfälle dokumentiert werden. Die Forscher können auch eine zeitliche Verbindung zwischen dem Einatmen belasteter Luft und dem Ereignis herstellen.

Am höchsten war das Risiko, wenn die Exposition 12 bis 14 Stunden zurücklag. Neben dem Feinstaub waren auch Rußpartikel und NO2 mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert. Die Autoren haben deshalb wenig Zweifel, dass der Straßenverkehr und hier vor allem die LKW mit Dieselantrieb die wichtigsten Verursacher sind.

Weitere Hinweise für eine schädliche Auswirkung von Ruß und Feinstaub liefert eine Auswertung der Nurses’ Health Study Cognitive Cohort, die 19.409 US-Krankenschwestern im Alter von 70 bis 81 Jahre über einen Zeitraum von 14 Jahren beobachtet hat.

Jennifer Weuve vom Rush University Medical Center in Chicago kann zeigen, dass die langfristige Exposition mit Feinstaub und Ruß mit schlechteren Ergebnissen in kognitiven Tests assoziiert war. Ein Anstieg der Exposition um 10 µg/m3 hatte dabei die gleiche Auswirkung wie zwei Lebensjahre. Laut Weuve treten die Effekte bereits bei Konzentrationen auf, die in weiten Teilen des Landes erreicht werden. Auch die Autoren zweier Kommentare sprechen sich für eine Senkung der Grenzwerte aus.
© rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.834 News Medizin

Nachrichten zum Thema

14.05.13
Boston – Nicht nur Lungen und Herz leiden unter den Folgen der Luftverschmutzung. Eine Studie im Journal of Epidemiology and Community Health (2013; doi: 10.1136/jech-2012-202307) zeigt jetzt...
13.05.13
Washington/London – Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (C02) in der Atmosphäre hat den höchsten Stand seit Millionen von Jahren erreicht. Das haben US-Wissenschaftler bei Messungen auf...
10.05.13
Luftverschmutzung fördert Insulinresistenz bei Kindern
Neuherberg – Kinder, die in München und Wesel in der Nähe von viel befahrenen Straßen aufwuchsen, hatten in einer Studie in Diabetologia (2013; doi: 10.1007/s00125-013-2925-x) ein erhöhtes Risiko auf...
03.05.13
Feinstaub beschleunigt Atherosklerose
Seattle – Je mehr Feinstaub sich in der Luft befindet, desto schneller schreitet die Verkalkung der Blutgefäße voran. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie in PloS Medicine...
24.04.13
Kohlekraftwerke haben erhebliche Folgen für die Gesundheit
Berlin – Durch gesundheitliche Schäden als Folge des Betriebs von deutschen Kohlekraftwerken entstehen allein in Deutschland Kosten in Milliardenhöhe. Sie liegen je nach herangezogenen Definitionen,...
09.04.13
Neuralrohrdefekte durch Autoabgase
Palo Alto – Eine hohe Exposition mit Autoabgasen in der Frühschwangerschaft kann das Risiko bestimmter Fehlbildungen erhöhen, berichten US-Forscher im American Journal of Epidemiology (2013; doi:...
05.04.13
„Ich finde die Debatte zu plakativ“
Köln – Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie hat eine Diskussion über die Gesundheitsgefahren durch Kohlekraftwerke ausgelöst. Der Untersuchung zufolge sollen 3.100 vorzeitige Todesfälle in...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in