Psychosoziale Belastung im Beruf als Risikofaktor für Herzinfarkte
Dienstag, 14. Februar 2012
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| dpa |
Berlin – Der Krankheitsstand der
Erwerbstätigen hat 2011 den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Heute ist jeder Mitarbeiter im Schnitt zwei
Tage pro Jahr länger krank als 2006. Das sind Ergebnisse des
DAK-Gesundheitsreports 2012. „Die Belegschaften sind schon heute
durchschnittlich älter als vor zehn Jahren. Ältere Mitarbeiter sind seltener
krank als jüngere, dafür aber deutlich länger“, erklärte Herbert Rebscher,
Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, heute in Berlin. Diese Entwicklung zeige branchenübergreifend
erste Anzeichen des demografischen Wandels.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich der Anteil der 60-
bis 65-Jährigen an allen Erwerbstätigen in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht.
„Ältere Belegschaften haben einen höheren Krankenstand. Insofern ist
demografiebedingt zu erwarten, dass der Krankenstand auch in den nächsten
Jahren immer stärker steigen wird, wenn Unternehmen hier nicht gegensteuern“,
erklärte Rebscher.
Auffällig bleibe der Trend bei den psychischen Erkrankungen: Im vergangenen Jahr
sei ihr Anteil von 12,1 auf 13,4 Prozent am Gesamtkrankenstand, die Anzahl der
dadurch verursachten Fehltage sogar um 16 Prozent gestiegen. Damit habe sich in
den vergangenen 15 Jahren der Anteil psychischer Erkrankungen am Krankenstand
mehr als verdoppelt. „Es gilt, die Behandlung psychischer Krankheiten durch
innovative und vernetzte Therapieangebote laufend zu verbessern“, betonte
Rebscher.
In den Mittelpunkt des Reports hat die DAK das Thema Herzinfarkt und
Arbeitswelt gestellt. Auch wenn die Häufigkeit von Herzinfarkten aufgrund der
verbesserten und modernisierten medizinischen Versorgung in den letzten 25
Jahren deutlich zurückgegangen sei, würden die meisten Deutschen immer noch
infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sterben.
„Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt ab etwa 55 Jahren stark an. Bei
der Alterung der Belegschaften werden deshalb zukünftig immer mehr aktiv
Beschäftigte von Herzinfarkten oder Angina pectoris betroffen sein“,
prognostizierte der DAK-Vorstandsvorsitzende.
Abgesehen von den für Herzinfarkte klassischen Risikofaktoren Rauchen,
Bluthochdruck oder Fettleibigkeit legt der Gesundheitsreport den Fokus vor
allem auf den Zusammenhang zwischen Job-Situation und psychosozialen
Belastungsfaktoren. So steigerten berufliche Gratifikationskrisen, von denen
etwa jeder zehnte Berufstätige betroffen sei, das Herzinfarktrisiko erheblich.
„Wenn Beschäftigte mit beruflichen Belastungen auch im privaten Bereich keine
Ruhe vorfinden, kann dies toxisch wirken“, erklärte Karl-Heinz Ladwig vom
Institut für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München.
Die DAK-Gesundheit will künftig dabei helfen, in Betrieben ein adäquates
Gesundheitsmanagement aufzubauen. „Konkret bedeutet das, für junge
Berufseinsteiger eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu
gewährleisten und älteren Mitarbeitern alters- und gesundheitsgerechte Arbeitsangebote
anzubieten“, sagte Rebscher.
© JW/aerzteblatt.de
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