Der Typ-1-Diabetes mellitus hat seinen Erkrankungsgipfel zu Beginn der Pubertät. Viele Kinder haben schon Jahre vorher Antikörper gegen Inselzellen im Blut. Sie markieren den eigentlichen Beginn der Autoimmunerkrankung, auch wenn die Betazellen des Pankreas erst Jahre später angegriffen werden.
Die BABYDIAB-Studie hat erstmals an einer größeren Kohorte untersucht, wann die Serokonversion erfolgt. Das Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München und die Forschergruppe Diabetes der dortigen Technischen Universität haben seit 1989 eine Gruppe von 1.650 Kindern begleitet, die aufgrund einer positiven Familienanamnese ein erhöhtes Risiko haben an einem Typ-1-Diabetes mellitus zu erkranken. Die Kinder wurden mit neun Monaten und danach im Alter von 2, 5, 8, 11, 14 und 17 Jahren untersucht.
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Die Ergebnisse konnten in einer zweiten Kohorte bestätigt werden. In der randomisierten BABYDIET-Studie – der vergebliche Versuch die Autoimmunität durch eine glutenarme Kost zu verhindern – waren 150 Kinder bereits im Alter von drei Monaten und danach zunächst alle 3 Monate untersucht worden.
In dieser Kohorte von Kindern mit hohem Diabetesrisiko (positive Familienanamnese plus HLA-Genotyp) war die Serokonversionsrate ebenfalls in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten. In den ersten sechs Monaten serokonvertierte dagegen kein einziges Kind. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl der BABYDIET-Studie könne eine frühere Serokonversion jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden, schreibt die Gruppe.
Eine weitere Auswertung der BABYDIAB-Studie deutet darauf hin, dass die Weichenstellung auf einen Typ-1-Diabetes mellitus hin noch früher erfolgen könnte. Dem Team um Ziegler ist nämlich aufgefallen, dass Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, doppelt so häufig an Typ-1-Diabetes mellitus erkranken (Inzidenz 4,8 vs. 2,2 Prozent). Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.
Wie ein Kaiserschnitt das Risiko auf einen Typ-1-Diabetes mellitus erhöhen könnte, ist unklar. Ziegler äußert zwei Vermutungen. Zum einen könnte sich der Kaiserschnitt auf die Zusammensetzung der Darmflora auswirken. Da das Kind bei der Geburt keine Bifidobakterien aus der Vagina der Mutter aufnehme, komme es zu einem Mangel an diesen Bakterien, wie er auch für die Darmflora von Diabetikern kennzeichnend sei. Die Darmflora wiederum beeinflusst die Reifung des Immunsystems in den ersten Lebensmonaten.
Der zweite Faktor betrifft das Gen IFIH1 (Interferon induced with helicase C domain 1). Es kodiert ein Protein, das an der angeborenen Immunabwehr von Viren beteiligt ist. IFIH1 stimuliert die Bildung von Interferonen, die die Virusvermehrung hemmen. Es lockt aber auch jene zytotoxischen T-Zellen an, die – so nimmt man jedenfalls an – Betazellen erkennen und zerstören.
Über diesen Umweg könnten Virusinfektionen die Entwicklung
von Typ 1 Diabetes fördern. Einige IFIH1-Genotypen erhöhen das
Erkrankungsrisiko. In der BABYDIAB-Studie kam jetzt heraus, dass Kinder, die
beide Risikofaktoren haben (Kaiserschnitt und den IFIH1-Genotyp) dreimal
häufiger an einem Typ-1-Diabetes mellitus erkranken (9,1 vs. <3 Prozent).
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