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Onkologie: Ernüchternde Bilanz

Mittwoch, 15. Februar 2012

Köln – Eine ernüchternde Bilanz zur Neuausrichtung der Onkologie in Deutschland zieht der Urologe Lothar Weißbach, von 1998 bis 2000 Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes. Die demografische Entwicklung führe zu einer Zunahme onkologischer Neuerkrankungen. Medizinische Fortschritte und strukturelle Veränderungen seien dringend erforderlich, doch biete das Gesundheitssystem dafür immer noch keine wirksamen Konzepte, kritisiert Weißbach im Vorfeld des Deutschen Krebskongress 2012, der nächste Woche in Berlin beginnt.

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Bereits im Jahr 2000 hatte die DKG mit acht provokanten Thesen zur Krebsmedizin einen gesellschaftlichen Diskurs über Fehlentwicklungen der onkologischen Versorgung ausgelöst. Diese stellt Weißbach jetzt – zwölf Jahre später – auf den Prüfstand.

Zweifellos sei es in den letzten Jahren gelungen, in Leitlinien verankerte multimodale Therapiekonzepte durchzusetzen. Leider gebe es aber auch gegenteilige Entwicklungen, indem diagnostische und operative Maßnahmen – nicht selten durch die Ökonomen der Einrichtung getriggert – durchgeführt würden, ohne dass sie die Lebensqualität beziehungsweise die Überlebenszeit verlängern oder eine therapeutische Konsequenz haben. „Die Beugung der Indikation ist die schlimmste Entwicklung auf dem Gebiet der Onkologie in den letzten Jahren“ mahnt Weißbach.

Die Ökonomie bestimme auch den Alltag in Tumorzentren. Als Zentren klinischer und wissenschaftlicher Exzellenz konzipiert, wollen Tumorzentren die Patienten besser als bisher versorgen, alle Krankheitsverläufe dokumentieren und die klinische Forschung voranbringen.

Dieses Ziel habe man bis 2012 nicht erreicht: „Wissenstransfer, Vernetzung und Dokumentation sind an den Tumorzentren kaum weiter als vor zehn Jahren. Besonders dort muss sich die ‘hochgetunte‘ Versorgung ökonomisch rechnen. Wo bleibt der Patient?“ fragt Weißbach im DÄ-Artikel.

Kritik übt der ehemalige DKG-Präsident auch an der unzureichenden interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den Ärzten: „Die für eine optimale Versorgung von Krebskranken essenzielle interdisziplinäre Vorgehensweise wird immer noch durch Fächeregoismen, Weiterbildungsordnungen und Berufsausübungsrecht behindert. Mindestmengen, Leistungsvereinbarungen und Zielkriterien führen letztlich dazu, dass die drängendste interdisziplinäre Frage ist, ob der Strahlentherapeut oder der Chirurg den Patienten in sein Rechnungsbuch eintragen darf.“

Versuche des Gesetzgebers, die Versorgungsstrukturen im Diskurs von Experten und Politikern umzugestalten, bewertet Weißbach als ungenügend: Die Politik vermittele nicht. Sie „doktere“ an Symptomen herum und verschiebe die Probleme – vermutlich so lange, bis angesichts der demografischen Entwicklung die Solidargemeinschaft auseinanderbricht. © zyl/aerzteblatt.de

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