Streit um Gesundheitsreform in England
Mittwoch, 15. Februar 2012
London – Interne Risikoabschätzungen des britischen National
Health Service (NHS) haben die Diskussion um die umstrittene Gesundheitsreform
in Großbritannien angeheizt. Das berichtet heute die Zeitung The Guardian. Nach
den NHS-Dokumenten könnten die Reformen die Sicherheit der Patienten verringern
und die Kosten steigern, so die Befürchtung.
„Da läuft etwas sehr schief, wenn
NHS London von einem ‚vermeidbaren Schaden für Kinder‘ spricht“, sagte der
Labour-Gesundheitsexperte Andrew Murray Burnham. Der NHS stehe vor einer
„mission impossible“, wenn er wie vorgesehen rund 20 Milliarden Pfund sparen
solle. Premierminister David Cameron stelle politischen Stolz vor die
Patientensicherheit, warf der Oppositionspolitiker der Regierung vor.
Vergangene Nacht erreichte eine Petition 100.000
Unterstützer, die mit ihrer Unterschrift gegen den Gesetzentwurf votieren. Es
wird damit wahrscheinlich, dass diese Petition das britische Unterhaus
beschäftigen wird.
Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums verteidigte indes
die Reform: „Unsere Modernisierungspläne sind unverzichtbar, wenn wir […] Patienten
mehr Wahlfreiheit bieten und überflüssige Bürokratie verringern wollen“, sagte
er.
Hintergrund der jüngsten Debatte sind Einschätzungen des
NHS, die das Gesundheitswesen mit einem globalen Risikomanagementsystem
bewerten, wie es in Deutschland auch in vielen Kliniken eingesetzt wird: Alle
identifizierten Risiken werden darin mit einer Skala von eins bis fünf nach
ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und nach dem möglichen Ausmaß bewertet,
sollte es zu einem Schaden kommen. Die Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit
und Schadensausmaß ergibt einen Wert von 1 bis 25, die den Risiken zugeordnet
werden. © hil/aerzteblatt.de
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