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| Frank Ulrich Montgomery /Gebhardt |
Die Bild-Zeitung beruft sich bei ihren Zahlen auf eine
Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Demnach stieg die Zahl
der angeblich durch Ärztefehler verursachten Todesfälle von 551 auf 944.
Häufigste Todesursachen seien mangelnde Desinfektion (410 Fälle),
Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation (171) und Komplikationen bei der
Implantation eines künstlichen Gerätes (121).
Montgomery betonte, jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen sterbe, sei einer zu viel. Die Ärzteschaft begrüße daher eine statistisch korrekte Aufarbeitung der Todesursachenstatistik. „Dazu gehört aber auch, die Ursachen der Todesfälle in ihrer schuldhaften Abhängigkeit korrekt aufzuarbeiten“, verlangte der BÄK-Präsident.
Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation könnten zum Beispiel häufig auftretende und den Patienten vorher mitgeteilte Komplikationen sein. Mangelnde Desinfektion oder Hygienemängel seien oft Strukturfehler und nicht Arztfehler. Komplikationen bei einer Implantation könnten dann nicht Ärzten angelastet werden, wenn es sich um zwar TÜV-geprüfte, aber fehlerhafte Produkte handele, wie bei den PIP-Brustimplantaten.
Der heutige Bericht der Bild-Zeitung ist nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst ein „plakatives Anprangern der Ärzte als Pfuscher“ und führt zu erheblichen Beeinträchtigungen des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. „Solch eine Berichterstattung diskreditiert die Ärzteschaft und führt zu Verunsicherung der Bevölkerung“, kritisierte der westfälische Ärztepräsident.
Auch der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, warnte davor, Ärzte „an den Pranger” zu stellen. Die offizielle Todesursachen-Statistik liefere keinen Beleg für einen überproportionalen Anstieg von nachgewiesenen Behandlungsfehlern, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Freitag.
Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Hedwig François-Kettner, sagte der, Hochrechnungen deuteten darauf hin, dass jährlich bis zu 17.000 Todesfälle durch unerwünschte Ereignisse vermeidbar wären. Der Anstieg der offiziellen Todesfälle sei aber auch auf ein höheres Fehlerbewusstsein zurückzuführen. „Ärzte und Kliniken melden Fehler und Zwischenfälle heute eher“, sagte sie.
Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), verweist auf die verbesserte Dokumentation. „Immer mehr Ärzte und Krankenhäuser gehen zu Fehlermeldesystemen über“, sagte er der Saarbrücker Zeitung vom Freitag. Dadurch würden „natürlich auch viel mehr Fehler erfasst“.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink forderte ein „verbindliches Meldesystem“ zu Behandlungsfehlern. Es gehe nicht darum, Ärzte und Krankenhäuser „an den Pranger zu stellen“, sondern darum, eine „Kultur der Fehlervermeidung“ zu etablieren, erklärte sie in Berlin.
Die Deutsche Hospiz Stiftung nutzte die Bild-Meldung für
einen Aufruf, das Thema Patientensicherheit auf die Tagesordnung der Politik zu
setzen. Vorbild solle dabei die konzertierte Aktion gegen die hohe Zahl von
Unfalltoten von Verkehrsverbänden, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und
Industrie sein. „Schließlich sterben in Deutschland rund 3.900 Menschen im
Straßenverkehr. Ein ähnliches Bündnis brauchen wir auch, um die Zahl der 1.712
Toten durch Behandlungsfehler zu verringern“, sagte der Geschäftsführende Vorstand
der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch.
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