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Ärzte wehren sich gegen Behandlungs­fehler-Vorwürfe

Donnerstag, 16. Februar 2012

Berlin – Die Zahl der Patienten, die wegen Behandlungsfehlern oder fehlerhaften Medizin­produkten ums Leben gekommen sind, ist laut den Gutachterkommissionen und Schlichtungs­stellen der Ärztekammern nicht gestiegen. Das berichtet die Bundesärztekammer (BÄK) und dementiert damit eine heutige Meldung der Zeitung Bild, wonach diese Zahl 2010 um 35 Prozent gegenüber 2009 auf 1.712 gestiegen sei. „Die von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern erhobenen Statistiken weisen auf Grundlage meist mehrerer unabhängiger Expertengutachten keine signifikanten Änderungen auf“, sagte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.

Die Bild-Zeitung beruft sich bei ihren Zahlen auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Demnach stieg die Zahl der angeblich durch Ärztefehler verursachten Todesfälle von 551 auf 944. Häufigste Todesursachen seien mangelnde Desinfektion (410 Fälle), Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation (171) und Komplikationen bei der Implantation eines künstlichen Gerätes (121).

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Montgomery betonte, jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen sterbe, sei einer zu viel. Die Ärzteschaft begrüße daher eine statistisch korrekte Aufarbeitung der Todesursachenstatistik. „Dazu gehört aber auch, die Ursachen der Todesfälle in ihrer schuldhaften Abhängigkeit korrekt aufzuarbeiten“, verlangte der BÄK-Präsident.

Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation könnten zum Beispiel häufig auftretende und den Patienten vorher mitgeteilte Komplikationen sein. Mangelnde Desinfektion oder Hygiene­mängel seien oft Strukturfehler und nicht Arztfehler. Komplikationen bei einer Implantation könnten dann nicht Ärzten angelastet werden, wenn es sich um zwar TÜV-geprüfte, aber fehlerhafte Produkte handele, wie bei den PIP-Brustimplantaten.

Der heutige Bericht der Bild-Zeitung ist nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst ein „plakatives Anprangern der Ärzte als Pfuscher“ und führt zu erheblichen Beeinträchtigungen des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. „Solch eine Berichterstattung diskreditiert die Ärzteschaft und führt zu Verunsicherung der Bevölkerung“, kritisierte der westfälische Ärztepräsident.

Auch der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, warnte davor, Ärzte „an den Pranger” zu stellen. Die offizielle Todesursachen-Statistik liefere keinen Beleg für einen überproportionalen Anstieg von nachgewiesenen Behandlungsfehlern, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Freitag.

Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Hedwig François-Kettner, sagte der, Hochrechnungen deuteten darauf hin, dass jährlich bis zu 17.000 Todesfälle durch unerwünschte Ereignisse vermeidbar wären. Der Anstieg der offiziellen Todesfälle sei aber auch auf ein höheres Fehlerbewusstsein zurückzuführen. „Ärzte und Kliniken melden Fehler und Zwischenfälle heute eher“, sagte sie.

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), verweist auf die verbesserte Dokumentation. „Immer mehr Ärzte und Krankenhäuser gehen zu Fehlermeldesystemen über“, sagte er der Saarbrücker Zeitung vom Freitag. Dadurch würden „natürlich auch viel mehr Fehler erfasst“.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink forderte ein „verbindliches Meldesystem“ zu Behandlungsfehlern. Es gehe nicht darum, Ärzte und Krankenhäuser „an den Pranger zu stellen“, sondern darum, eine „Kultur der Fehlervermeidung“ zu etablieren, erklärte sie in Berlin.

Die Deutsche Hospiz Stiftung nutzte die Bild-Meldung für einen Aufruf, das Thema Patienten­sicherheit auf die Tagesordnung der Politik zu setzen. Vorbild solle dabei die konzertierte Aktion gegen die hohe Zahl von Unfalltoten von Verkehrsverbänden, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Industrie sein. „Schließlich sterben in Deutschland rund 3.900 Menschen im Straßenverkehr. Ein ähnliches Bündnis brauchen wir auch, um die Zahl der 1.712 Toten durch Behandlungsfehler zu verringern“, sagte der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch.

© hil/aerzteblatt.de

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prawda
am Sonntag, 19. Februar 2012, 08:45

Deutsche Hospiz Stiftung

"ein ähnliches Bündnis brauchen wir", sagt Eugen Brysch.
Aha.
Es existiert seit 2005, u. a. beruhend auf einem einstimmigen Beschluss des Deutschen Ärztetages und heißt "Aktionsbündnis Patientensicherheit". Weder Brysch noch seine Stiftung sind dort Mitglied.
Im Gegensatz zur Patientenversorgung, wo es Mindeststandards an persönlicher Qualifikation gibt, beginnend bei der Pflegehilfe, darf in der Gesundheitspolitik "jeder mal sein Bein heben, den es drängt". Ätzend.

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