DNA-Origami: „Nano-Roboter“ sollen Tumoren angreifen
Freitag, 17. Februar 2012
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| Die Miniaturmaschine gleicht einem sechseckigen Käfig, wurde in DNA-Origami gefaltet und kann gezielt Krebszellen angreifen. |
Boston – Krebsmedikamente sollen künftig in einem aus
DNA-Schnipseln geknüpften Nanokäfig an ihre Wirkstätte transportiert werden. In
Science (2012; 335: 831–834) stellen US-Forscher ihr neues Konzept vor, das sie
als „Nano-Roboter“ bezeichnen.
Die DNA-Origami-Technik nutzt die Eigenschaft der
komplementären Basen unserer Erbsubstanz, feste Verbindungen einzugehen. In der
Natur führt dies zur Bildung des bekannten DNA-Doppelstrangs. Im Labor von Shawn
Douglas vom Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering in Boston
fügen sich die DNA-Schnipsel spontan zu flächigen Strukturen zusammen.
Entscheidend für das Design ist dafür die Auswahl der DNA-Schnipsel mit den
passenden Basen an der richtigen Stelle.
Das Team um Douglas hat die DNA-Origami-Technik so weit
perfektioniert, dass sich jeweils die Hälften eines sechseckigen Röhrchens mit
einem Durchmesser von 35 Nanometern formieren. An ihrer Innenseite befinden
sich Bindungsstellen für Wirkstoffe. Diese werden in den Röhrchen festgehalten
und können damit keine schädliche Wirkung entfalten, bis sie an ihrem Zielort
angelangt sind.
Dort werden die Röhrchen an zwei Gelenken aufgeklappt und
die Wirkstoffe freigesetzt. Der Klappmechanismus wird durch zwei Aptamere
ausgelöst. Das sind kurze einzelsträngige DNA-Schnipsel, die aufgrund ihrer
3D-Struktur an spezielle Strukturen, beispielsweise auf der Oberfläche von
Krebszellen, binden. Douglas bezeichnet die kleinen molekularen
Transportvehikel als Nano-Roboter.
In Laborversuchen waren die Nano-Roboter in der Lage,
Leukämie- und Lymphomzellen unter anderen Zellen zu finden. In einer anderen
Anwendung wurden T-Zellen anvisiert. Im ersten Fall tragen die Röhrchen
Antikörper, die die Krebszelle angreifen, im zweiten Fall besteht das Ziel
darin, die körpereigene Krebsabwehr zu stimulieren.
In der Petrischale ist dies gelungen. Ob die Nano-Roboter
jedoch auch im menschlichen Organismus erfolgreich wären, lässt sich schwer
vorhersagen. Es steht zu befürchten, dass die komplexen Fremdmoleküle nicht ihr
Ziel erreichen, da sie vorher vom Immunsystem angegriffen, von Proteasen im
Blut verdaut oder von Enzymen der Leber metabolisiert werden.
Douglas will die Nano-Roboter deshalb im nächsten Schritt
mit einem schützenden „Mantel“ aus Polyethylenglycol (PEG) versehen. PEG wird
bereits bei Wirkstoffen wie Interferon verwendet, um sie vor einem frühzeitigen
Abbau zu schützten und die Halbwertzeit zu verlängern. © rme/aerzteblatt.de
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