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Das American College of Surgeons hat alle 25.073 US-Chirurgen, deren E-Mail-Adresse bekannt war und die einer derartigen Verwendung der Kontaktdaten zugestimmt hatten, die AUDIT-C-Fragen gestellt. Es handelt sich im die Kurzform des AUDIT-Fragebogens der Weltgesundheitsorganisation zu Alkoholproblemen.
AUDIT-C beschränkt sich auf die ersten drei Fragen. Sie erkundigen sich nach der Häufigkeit des Alkoholkonsums, der jeweils konsumierten Menge sowie nach der Häufigkeit eines exzessiven Konsums, der einen Rauschzustand erwarten lässt. Nur 7.197 Chirurgen beantworteten die E-Mail. Die Responserate von 28,7 Prozent liegt damit unter der 60-Prozent-Grenze, die eine Verzerrung durch einen Non-Response-Bias ausschließt.
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Die Punktprävalenz, die Michael Oreskovich von der University of Washington in Seattle ermittelt hat, ist beachtlich (auch wenn sie nicht höher liege als beim Rest der Bevölkerung): 13,9 Prozent der männlichen Chirurgen erzielten 5 oder mehr Punkte auf dem AUDIT-C-Score, was (mit hoher Zuverlässigkeit) Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit anzeigt. Unter den weiblichen Chirurgen hatten sogar 25,6 Prozent ein ernstes Alkoholproblem – wobei diese Einstufung allerdings schon ab 4 Punkten im AUDIT-C-Score erfolgt.
Der Alkoholkonsum war nicht das einzige Thema, nach dem sich das American College of Surgeons bei seinen Mitgliedern erkundigte. Insgesamt wurden 70 Fragen gestellt und als Ziel der Umfrage wurde die allgemeine Zufriedenheit mit dem Beruf genannt. Dies ermöglichte es Oreskovich, den Alkoholkonsum mit anderen Faktoren in Beziehung zu setzen – mit weiteren überraschenden Ergebnissen.
Die höchste Odds Ratio (OR), sprich Alkoholgefährdung wurde für Chirurgen mit festem Lebenspartner (OR 2,29) gefunden, es folgten positive Ergebnisse im Screening-Test auf Depressionen (OR 1,48) und ein Burnout-Syndrom (OR 1,25). Für zwei Kernsymptome des Burnouts, die emotionale Erschöpfung und die Depersonalisierung, wurde eine dosisabhängige Wirkung zur Häufigkeit des Alkoholkonsums gefunden. Aus Sicht der Patientensicherheit interessant ist sicherlich die positive Assoziation mit der Antwort auf die persönliche Frage nach schweren Behandlungsfehlern in den letzten 3 Monaten (OR 1,45).
Auch die „protektiven“ Faktoren sind teilweise überraschend. Neben höherem Alter (OR 0,99) und Kindern (OR 0,77) scheinen auch Überstunden (OR 0,99), häufige Nachtschichten (OR 0,94) die Chirurgen von einem problematischen Alkoholkonsum abzuhalten. Auch Chirurgen im Angestelltenverhältnis (OR 0,71) oder Beschäftigte der staatlichen Veteranenbehörde (OR 0,46) scheinen eher gegen einen Alkoholkonsum gefeit zu sein – soweit dies aus einer Querschnittsstudie geschlossen werden kann. Ihre Aussagekraft ist geringer als bei einer Beobachtungsstudie, die den Einfluss eines Risikofaktors über einen längeren Zeitraum darstellt.
Insgesamt muss der Editorialist John Fromson vom
Massachusetts General Hospital in Boston jedoch feststellen, dass Chirurgen
nicht immun gegen Alkoholprobleme sind. Und der größte Fehler dürfte darin
bestehen, das Problem zu tabuisieren: Scham und Stigma könnten die Betroffenen
davon abhalten, rechtzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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