Streptococcus tigurinus: Neuer Krankheitserreger aus der Schweiz
Mittwoch, 22. Februar 2012
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| Streptococcus tigurinus |
Zürich – Schweizer Mikrobiologen haben eine neue Variante
von vergrünenden Streptokokken entdeckt. Das Bakterium kann laut dem Bericht im
International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology (2012: doi:
10.1099/ijs.0.038299) Endokarditis, Meningitis und eine Spondylodiscitis auslösen.
Das Team um Andrea Zbinden von der Universität Zürich hat
den Erreger Streptococcus tigurinus getauft (nach einer früheren lateinischen
Bezeichnung der Stadt). Er wurde zuerst bei einem 74 Jahre alten Patienten mit
Endokarditis entdeckt. Dass der Keim für die Krankheit verantwortlich ist,
steht außer Zweifel. Alle sechs Blutkulturen waren positiv und auf der
Aortenklappe wurde genetisches Material gefunden. Später wurde der Erreger auch
bei Patienten mit den beiden anderen Krankheiten nachgewiesen.
Neu ist der Erreger mitnichten. Es gehört vielmehr zur
bekannten Gruppe alpha-hämolytischer (vergrünenden) Streptokokken, die seit
längerem als Endokarditis-Erreger bekannt sind und als solcher auch in den
konventionellen mikrobiologischen Tests gefunden worden wären. Zbinden hat hier
lediglich die Klassifikation verändert, wofür es mikrobiologische Gründe gibt.
Ob die Terminologie Einfluss auf die Behandlungsstrategien hat, lässt sich
derzeit nicht abschätzen.
Die Mikrobiologin vermutet, dass S. Tigurinus in der
Mundschleimhaut beheimatet ist. Was niemanden beunruhigen sollte. Auch andere
Endokarditis-Erreger sind Bestandteil der normalen Mundflora. Zur Gefahr werden
sie nur, wenn sie, etwa bei zahnärztlichen Eingriffen (oder über eine
Parodontose, vielleicht sogar durch zu scharfes Zähneputzen) ins Blut gelangen,
dort nicht rechtzeitig vom Immunsystem abgefangen werden und sich auf
strukturell vorgeschädigten Herzklappen einnisten können - was bei gesunden
Menschen immer seltener der Fall ist. Die Inzidenz der infektiösen Endokarditis
ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. © rme/aerzteblatt.de
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