Politik

Selbstständige Ausübung der Heilkunde durch die Pflege: Noch ein sehr langer Weg

Donnerstag, 23. Februar 2012

Berlin – „Ein erster vorsichtiger Einstieg ist geschafft – mit der Richtlinie über Modellvorhaben über die selbstständige Ausübung der Heilkunde durch die Pflege wurde das Tor in eine Welt des neuen Professionenmixes einen Spalt breit geöffnet.“ Für Josef Siebig, Unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA), ist das „Kind Modellvorhaben nach § 63 Abs. 3c“ nach einer schwierigen Geburt nun zur Welt gebracht.

Jetzt sei es Sache der möglichen Vertragspartner, in dieser Angelegenheit tätig zu werden und die Entwicklung voranzutreiben, betonte Siebig bei einer Tagung des Bundesverbandes Pflegemanagement am Mittwoch in Berlin. Wenige Tage zuvor war die Richtlinie des G-BA ohne Beanstandung vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) bestätigt worden und kann nun in Kraft treten.

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Der Weg in die Regelversorgung werde allerdings gut zehn Jahre dauern, dämpfte Siebig den Optimismus der Tagungsteilnehmer vor allem aus dem Pflegebereich. Zunächst müssten Modellvorhaben vereinbart werden; dazu passend müssten Ausbildungscurricula entwickelt und vom BMG bestätigt werden. Dann folgten drei Jahre Ausbildungszeit, fünf Jahre Modellerprobung und zwei Jahre Evaluation – insgesamt also eine durchaus ernüchternde Perspektive für die Vertreter der Pflege.

Aber „die Macht des Faktischen wird das Thema sehr viel früher einholen“, mutmaßte Peter Bechtel, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Pflegemanagement. Überall in den Kliniken würden doch bereits die in der Richtlinie des G-BA aufgeführten Tätigkeiten vom Pflegepersonal übernommen.

Es gehe dann eben darum, argumentierte Siebig, die normative Ebene näher an das Praxisgeschehen zu bringen. Wichtig sei allerdings, einen Webfehler im Gesetz so bald wie möglich zu korrigieren und die Qualifikationsanforderungen für Pflegekräfte in Modellvorhaben dahingehend zu ändern, dass auch die bereits erfahrenen hochqualifizierten Pflegekräfte in die Modellprojekte einsteigen können.

Nach der langen Beratungszeit über die Richtlinie im G-BA scheint auch die Vereinbarung eines Modellvorhabens noch in weiter Ferne. Die Begeisterung der Krankenkassen wirkt nicht allzu groß – dahingehend könnte man zumindest das Fazit von Christian Peters, Leiter der Abteilung Ambulante Versorgung beim AOK-Bundesverband, interpretieren: „Es gibt bei den AOK’en eine große Offenheit, sich darüber Gedanken zu machen, in welcher Weise in den nächsten 1 bis 2 Jahren solche Modellvorhaben gestrickt werden könnten.“ © TG/aerzteblatt.de

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